Wie lange sind Spirituosen eigentlich haltbar und wie lagert man offene Schnapsflaschen am besten, um den Inhalt möglichst lange nutzen zu können? Hier kommen meine Tipps zur Haltbarkeit und Lagerung von Whisky, Rum, Likör & Co.
Die Haltbarkeit und Lagerung von geöffneten Schnapsflaschen ist eine Sache, die mich von Anfang an beschäftigt hat. Bei vielen von euch ist das sicher nicht anders. Wer sich eine Hausbar einrichtet, hat früher oder später fast ganz automatisch viele offene Flaschen mit hochprozentigen Spirituosen, Likören und dergleichen im Schrank stehen. So lange man kein Alkoholproblem entwickelt oder nicht jeden Tag eine Cocktailparty für alle Freunde und Nachbarn schmeißt, kann es schon mal wochen- oder gar monatelang dauern, bis einzelne Flaschen leer sind.
Aber teuren Whisky oder Rum wegzukippen, nur weil man die Flasche seit vier Monaten nicht mehr angefasst hat? Oder den teuren, fast vollen Likör in den Abfluss gießen, obwohl man ihn nur einmal benutzt hat, um diesen einen leckeren Cocktail auszuprobieren? Das wäre eine echte Verschwendung, ist aber meist gar nicht nötig – schon gar nicht, wenn man ein bisschen vorsorgt.
Alkohol wirkt antibakteriell
Der größte Feind hochprozentiger Alkoholika (ich schreibe hier explizit nicht über normalen Wein oder Bier) sind nicht etwa Mikroorganismen oder Schimmelpilze oder ähnliches. Denn ab einem gewissen Alkoholgehalt kann eine Spirituose nicht schlecht werden – und zwar in dem Sinne, dass man krank davon wird. Daher findet ihr auf den meisten Flaschen, die im Supermarkt in der Schnapsabteilung stehen, kein Mindesthaltbarkeitsdatum. Der Alkohol verhindert das Wachstum entsprechender Keime, die gesundheitsgefährdend sein könnten. Alkohol wirkt antibakteriell. Grob kann man diese Grenze bei 30 Prozent ziehen. Also alle klassischen Basisspirituosen wie Whisky, Rum, Gin, Wodka, Cognac und Brandy sind in der Beziehung fein raus.
Zucker macht Likör länger haltbar
Bei Likören ist zwar oft der Alkoholgehalt nicht ganz so hoch, dafür hat aber der hohe Anteil an Zucker eine konservierende Wirkung. Auch hier kann der Inhalt einer Flasche also im eigentlichen Sinne nicht verderben. Ausnahme: Wenn der Likör Milch, Sahne oder Ei enthält, sieht die Sache wieder anders aus. Diese verderblichen Zutaten können schon dazu führen, dass der Likör schneller ungenießbar wird. Werft zum Beispiel mal einen Blick auf das Etikett einer Baileys-Flasche, da steht ein Mindesthaltbarkeitsdatum drauf (s. Foto).
Ob solche Liköre nun auch ungesund werden durch entsprechende Bakterien, möchte ich nicht ausschließen. Nachher bin ich es noch Schuld, wenn jemand krank wird, weil er Eierlikör trinkt, der drei Jahre lang geöffnet hinter dem Heizkörper gestanden hat. Aber skeptisch bin ich schon. Wie dem auch sei: Bis der Inhalt umkippt, dauert es sehr sehr lange. Baileys ist ungeöffnet locker zwei Jahre haltbar; einmal geöffnet und danach immer im Kühlschrank gelagert, würde ich ihn auch nach einem halben Jahr noch unbesorgt trinken.

Wermut (oder Vermouth) behandle ich von allen meinen Barzutaten am vorsichtigsten, denn diese verstärkten Weine können weder mit besonders hohem Alkohol- noch Zuckergehalt punkten. Einmal geöffnet landen sie bei mir im Kühlschrank. Aber im Vergleich zu normalem Wein, der ja oft schon am nächsten Morgen nicht mehr schmeckt, ist Wermut deutlich länger haltbar.
Sauerstoff greift Aromen an
Kommen wir zurück zu den Feinden der Schnaps-Haltbarkeit. Der größte Feind (wie gesagt: nicht irgendwelche Keime) ist Sauerstoff. Denn sobald Sauerstoff mit dem Inhalt einer Spirituosenflasche in Berührung kommt, gibt es eine chemische Reaktion: die Oxidation. Diese verändert die Flüssigkeit. Das ist erst einmal nur eine Feststellung und keine Wertung. Es gibt zum Beispiel Whisky-Trinker, denen ein guter Scotch ein halbes Jahr nach der ersten Öffnung plötzlich besser schmeckt als am Anfang.
Allerdings sollte man nicht davon ausgehen, dass das die Regel ist – schon gar nicht für alle Alkoholika. Denn Oxidation führt doch meist zu einer ungewollten, weil negativen Veränderung des Aromas. Im besten Fall geht es einfach verloren, im schlimmsten Fall wird das Ganze schlicht ungenießbar.
Alkohol verdunstet durch den Korken
Doch es gibt noch einen Feind – der zweitgrößte sozusagen: Verdunstung. Anders als bei Weinflaschen (vor dem ersten Öffnen) sind die Korken bei Schnapsflaschen nicht hundertprozentig dicht. Diese so genannten Gebrauchskorken sind ja gerade dafür gemacht, dass man sie mit der bloßen Hand einfach aus dem Flaschenhals ziehen und wieder hineindrücken kann. Das hat zur Folge, dass sie gar nicht komplett dicht sein können. Gleiches gilt für die weit verbreiteten Drehverschlüsse: nicht ganz dicht.
Das bedeutet, dass im Laufe der Zeit vor allem Alkohol aus der Flasche verdunstet, da dieser deutlich flüchtiger ist als die restlichen Inhaltsstoffe in der Spirituose (dabei handelt es sich fast ausschließlich um Wasser). Das verändert ebenfalls die Zusammensetzung der Spirituose und damit letztlich das Aroma. Allerdings geht es verdammt langsam vor sich, bis überhaupt eine Änderung des Pegels in der Flasche erkennbar ist – oft dauert es mehrere Jahre. Gewisse Umstände können die Verdunstung allerdings beschleunigen (dazu später mehr).
Die Formel für optimale Alkohol-Lagerung
Wenn man weiß, dass Sauerstoff und Verdunstung die größten Probleme bei der Haltbarkeit von Spirituosen sind, kann man ableiten, wie man die Haltbarkeit mit der richtigen Lagerung optimiert. Die perfekte Formel besteht aus vier Stichwörtern: Aufrecht, kühl, dunkel und trocken. Dabei halte ich die beiden erstgenannten für die wichtigsten. Im Detail:
Aufrecht: Ihr solltet Schnapsflaschen immer im Stehen lagern, damit der Alkohol zum einen nicht den Verschluss angreift und zum anderen keine Flüssigkeit durch den ohnehin nicht ganz dichten Korken oder Drehverschluss entweicht. Letzteres geht bei Flüssigkeiten natürlich noch langsamer als schon bei Gasen (s. oben). Aber warum sollte man es riskieren? Es gibt meiner Meinung nach kaum einen vernünftigen Grund, die Flaschen unbedingt im Liegen zu lagern. (Bei Weinen ist das übrigens was anderes, weil dem Natur-/Einmalkorken die Feuchtigkeit tatsächlich gut tut – ist aber ein anderes Thema)
Kühl: Je kühler es ist, desto weniger Alkohol verdunstet – soweit gut, soweit logisch. Aber man muss diesen Aspekt noch um das Stichwort „temperaturstabil“ erweitern. Denn wenn am Lagerort die Temperatur stark schwankt – selbst innerhalb eines relativ kühlen Bereichs von unter 20 Grad Celsius –, dehnt sich der Schnaps in der Flasche aus (wärmer) und zieht sich wieder zusammen (kühler). Dabei wird entweder gasförmiger Alkohol am Korken vorbei aus der Flasche gedrückt oder Luft (inklusive Sauerstoff) von außen eingesogen. Die Flasche atmet sprichwörtlich, was die Verdunstung und die Oxidation fördert. Daher solltet ihr Temperaturschwankungen möglichst gering halten.

Dunkel: Zum einen steigt mit Licht in der Regel auch die Temperatur, was die unbeliebte Verdunstung fördert. Zum anderen kann UV-Strahlung einen schlechten Einfluss auf Spirituosen haben, hier kommt es ebenfalls zu ungewollten chemischen Reaktionen. Außerdem können die Etiketten auf der Flasche ausbleichen. Direktes Sonnenlicht ist also tabu, aber stockduster muss es natürlich auch nicht sein. Trotzdem: Je gedimmter, desto besser. Eine Flasche in der Umverpackung zu lassen, kann schon mal eine gute Maßnahme sein. Allerdings kommen nur die wenigsten Schnäpse in einer ansehnlichen Box. Meist ist das bei Whiskys der Fall.
Trocken: Hier geht es vor allem darum, dass Etikett und Verpackung keinen Schaden nehmen. Ist die Luft zu feucht, kann das Papier im schlimmsten Fall sogar schimmeln. Es sollte am Lagerort also schon trocken sein – selbst wenn man als Argument anbringen könnte, dass eine hohe Luftfeuchtigkeit der Verdunstung entgegenwirkt. Aber ich finde, das ist es nicht wert.
Kampf gegen die Oxidation
Wer die vier Hinweise – aufrecht, kühl, dunkel und trocken – befolgt, tut seinen wertvollen Spirituosen schon mal eine Menge Gutes. Ihr könnt aber noch einen Schritt weiter gehen und den größten Feind – den Sauerstoff – stärker bekämpfen. Dabei gilt es, den Anteil an Sauerstoff, also den Anteil an normaler Umgebungsluft, in der Flasche so weit wie möglich zu reduzieren. Je weniger Luft in der Flasche, desto weniger Oxidation und desto besser für den Schnaps. Dafür haben sich in der Bar-, Cocktail- und Spirituosen-Szene einige Maßnahmen mehr oder weniger etabliert:

Flasche mit Gas fluten: Dabei kommen Gaskartuschen oder -flaschen sowie spezielle Aufsätze zum Einsatz, die den Bereich über der Flüssigkeit mit Edelgas (Argon, Neon etc.), Stickstoff oder Kohlenstoffdioxid füllen. Die normale Luft inklusive des Sauerstoffs wird verdrängt und es findet keine Oxidation mehr statt. Theoretisch ist das eine gute Idee.
Allerdings finde ich das gerade für den Heimgebrauch viel zu umständlich, weil man es jedes Mal machen muss, wenn man eine Flasche geöffnet hat. Außerdem sind die Gaskartuschen nicht nur auf Dauer viel zu teuer. Nicht zuletzt kann es passieren, dass sich das Kohlenstoffdioxid mit der Flüssigkeit in der Flasche verbindet und Kohlensäure entsteht. Das hilft auch nicht weiter. Übrigens: Das Foto von der Gin-Flasche im Wassersprudler ist an dieser Stelle nicht ganz ernst gemeint ;-)
Glaskugeln: Schmeißt man keimfreie/abgekochte Glaskugeln oder -steine in eine halbvolle Flasche Schnaps, steigt der Pegel (s. Foto). Konsequenz: Weniger Luft in der Flasche. Treibt man den Pegel bis in den Flaschenhals („into neck“), ist auch die Oberfläche der Flüssigkeit, die vom Sauerstoff angegriffen wird, viel kleiner. Allerdings: Zum einen muss man aufpassen, dass beim Ausgießen keine Kugeln ins Glas oder in den Shaker fallen. Zum anderen funktioniert das ab einer gewissen Füllmenge nicht mehr. Sind nur noch drei Schluck Schnaps in der Flasche, nützen auch zwei Kilogramm Glaskugeln nichts.

Umfüllen: Die Methode, angebrochene Flaschen in kleinere Flaschen umzufüllen, halte ich noch mit am praktikabelsten. Entsprechende Flasche mit 500, 300, 100 oder 50 Millimetern Fassungsvermögen gibt es überall im Internet zu kaufen – *. Damit schwindet der Luftanteil in der Flasche automatisch und das Oxidationsproblem wird kleiner. Nicht vergessen: Flaschen beschriften (s. Foto). Diese Lösung ist zumindest die günstigste, weil die kleinen Fläschchen wirklich nicht viel kosten. Aber sie ist auch ein wenig aufwändig.

Vakuum herstellen: Das ist mein aktueller Favorit, wenn es darum geht, die Oxidation zu minimieren und meine Spirituosen länger haltbar zu machen. Es gibt im Internet verschiedene Vakuumpumpen zu kaufen, die eigentlich für Weinfreunde hergestellt wurden. Allerdings funktionieren sie auch wunderbar auf Schnapsflaschen. Der originale Flaschenverschluss wird durch einen speziellen Gummistopfen ersetzt. Darauf setzt man eine kleine Handpumpe und saugt die Luft mit einigen Zügen aus der Flasche. Das Modell von VacuVin, das ich benutze, knackt, wenn das Vakuum fertig ist – praktisch. Ich bilde mir jedoch nicht ein, dass es sich dabei um ein hundertprozentiges Vakuum handelt. Aber für den Zweck reicht es völlig aus.
Außerdem kann es sein, dass man nach ein paar Monaten etwas nachpumpen muss, um das Vakuum wieder vollständig aufzubauen. Denn absolut dicht sind die Gummistopfen der Vakuumpumpen sicher auch nicht, aber immerhin dichter als viele Originalverschlüsse – was übrigens auch die Verdunstung minimiert.

Übrigens: Zu der Kritik, dass die Gummistopfen, die ja eigentlich für Weinflaschen entworfen wurden, nicht auf Schnapsflaschen passen, kann ich nur sagen, dass unter den vielen Flaschen in meiner Sammlung nur eine einzige dabei ist, deren Hals zu breit ist.
Fazit zur Haltbarkeit und Lagerung von Schnaps
Wie halte ich es nun persönlich mit meiner Sammlung? Alles, was weniger als 20 Prozent hat, bekommt ein Vakuum verpasst und steht dann im Kühlschrank. Das gilt unabhängig vom Alkoholgehalt auch für alle Liköre, die Milch, Sahne oder Ei enthalten. Bis etwa 35 Prozent gibt es ein Vakuum, aber keinen Kühlschrank. Alles was darüber hinaus geht, behandele ich entspannt: Korken oder Schraubverschluss drauf und fertig. Alle Flaschen stehen aufrecht, außerhalb direkter Sonneneinstrahlung und bei Raumtemperatur, die in meinem Fall bei relativ konstanten 20 Grad Celsius liegt. 5 Grad weniger wären sicher besser, aber für mich ist das noch im grünen Bereich.
Wie man die oben genannten Hinweise zur längeren Haltbarkeit umsetzt, hängt natürlich auch damit zusammen, wie lange eine Flasche in der eigenen Hausbar „überlebt“. Je eher eine Flasche leer ist, desto weniger Gedanken muss man sich über die korrekte Lagerung machen. Der Lieblings-Whisky wird ohnehin nicht alt – ob kühl und dunkel gelagert oder nicht. Beim exotischen Aperitif, der nur zweimal im Jahr zum Einsatz kommt, sieht das anders aus. Möchtet ihr auch noch in zwei Jahren einen Cocktail mit ihm mixen, ohne den Drink sofort danach in den Ausguss zu schütten, ist eine schnapsfreundliche Lagerung eine gute Idee.
Noch ein Wort zum Schluss: Kein Stress bitte! Den oft gehörten Tipp, geöffnete Flaschen möglichst schnell auszutrinken, würde ich nicht allzu ernst nehmen. Hochprozentige Alkoholika werden nicht schlecht und sind wirklich sehr lange genießbar. Den guten Rum innerhalb von zwei Wochen leer zu machen, ist bestimmt nicht nötig. Wir reden hier immerhin von Genuss und Genuss braucht Zeit.
Fotos: Cora Lanzerath


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