Die perfekte Hausbar (Teil 1): Welcher Schnaps soll’s sein?

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Grundausstattung Spirituosen

„Pfui, der schmeckt aber sch…, der reicht ja höchstens zum Mixen.“ Falsch! Eben nicht! Ich weiß nicht, wer zuerst die Idee hatte, ungenießbaren Fusel mit viel Saft und Sirup im Cocktailglas zu ertränken. Aber nur weil Banausen allerorten diesen Quatsch nachplappern, ist es noch lange nicht richtig.

Wer sich einen Grundstock an Spirituosen für seine Heimbar zulegen möchte, sollte dabei auf die Qualität schauen. Das gilt umso mehr für Freunde klassischer Cocktails, die zu einem sehr großen Anteil aus Spirituosen bestehen. Und weil ich einer davon bin, achte ich darauf, dass man die Sachen auch pur genießen kann. Das Schöne daran: Das muss überhaupt nicht teuer sein. Pro Flasche habe ich maximal um die 20 Euro ausgegeben.

Shaker, Barmaß, Sieb & Co.: Teil 2 der Artikelserie „Die perfekte Hausbar“

Die Schnaps-Grundausstattung, mit der man viele bekannte Cocktails mixen kann, kauft man so schon für relativ kleines Geld zusammen. Und weil pro Cocktail ja immer nur kleine Mengen zum Einsatz kommen und Hochprozentiges lange haltbar ist, habt ihr nach den anfänglichen Investitionskosten nur noch geringe Ausgaben, um hier und da mal eine leere Flasche zu ersetzen.

Die sechs großen Basis-Spirituosen

Wodka, Gin, Rum, Tequila, Whisky, Brandy (bzw. Cognac und Armagnac) – das sind die Basis-Spirituosen, die es in jeder Bar gibt und die Grundlagen der allermeisten Cocktails bilden. Dazu kommen dann noch diverse andere Zutaten wie Liköre, Bitter, Sirups und Säfte. An dieser Stelle konzentriere ich mich aber auf die alkoholhaltigen Bestandteile, weil die ja am meisten ins Geld gehen – zumindest bei der Erstbeschaffung. In der Bilderstrecke stelle ich euch also den Grundstock meiner Heimbar vor – als Anregung für euch:

Wodka: Stolichnaya

Wodka

Bei Wodka ist es fast noch am egalsten, welchen ihr verwendet. Denn in der Regel ist Wodka sehr neutral im Geschmack und Geruch. Zwischen günstigen und teuren Marken gibt es meistens (nicht immer) nur hauchfeine Unterschiede, die im Cocktail dann sowieso nicht mehr zur Geltung kommen. Dennoch rate ich, von dem wirklich fiesen 5-Euro-Fusel aus dem Discounter die Finger zu lassen. Schon der unwesentlich teurere Absolut Wodka ist da eine deutlich bessere Empfehlung. Ich finde ihn allerdings etwas zu spritig und nehme stattdessen den Stolichnaya. Er kommt aus Russland und ist tatsächlich der meistkonsumierte Wodka der Welt, obwohl man ihn hierzulande kaum kennt. Das Preis-Leistungs-Verhältnis find ich sehr fair, weil man ihn eisgekühlt auch gut pur trinken kann.

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Gin: Bombay Sapphire

Gin

Der zweite Gin Craze ist in vollem Gange und es gibt ja kaum noch eine Bar, die nicht mindestens ein Dutzend verschiedene Gin-Sorten im Angebot hat. Selbiges gilt für das Schnapsregal jedes noch so kleinen Supermarktes. In den letzten Jahren sind so viele neue Sorten auf den Markt gekommen, viele davon sind tatsächlich spannend und mal was ganz anderes. Aber für einen Cocktail oder einen guten Gin & Tonic ohne viel Bling-Bling tut es ein solider London Dry Gin – wie in meiner Bar der Bombay Sapphire in der berühmten blauen Flasche. Ich finde: Damit macht man einfach nichts falsch. London Dry Gins stellen übrigens die größte Gruppe der Gin-Sorten. Es sind quasi die klassischen Gins, bei denen die Wacholdernote eindeutig im Vordergrund steht (und von Gesetzes wegen sogar stehen muss, soweit ich weiß).

Daneben gibt es unter anderem noch die New Western Dry Gins, bei denen andere Zutaten wie etwa Pfeffer, Ingwer, Nelken oder Koriander den Geschmack bestimmen, sowie Old Tom Gin, der leicht gesüßt ist und damit an die historischen Gin-Sorten aus der Anfangszeit erinnert. Letzteren nutze ich hin und wieder sehr gerne für einen Martini. Dafür nehme ich den Hayman’s Old Tom Gin.

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Weißer Rum: El Dorado (3 Jahre)

Weißer Rum

Da habe ich aktuell einen dreijährigen El Dorado aus Guyana im Einsatz. Und ein Daiquiri mit diesem Rum ist einer der leckersten Cocktails überhaupt. Er hat ein tolles Aroma von Vanille sowie Rosinen und schmeckt für einen so jungen Rum ausgesprochen alt. Er liefert in einem Drink nicht einfach nur den Alkohol, sondern er hat eine Bouquet, das man eindeutig herausschmeckt. Wer es aber etwas zurückhaltender mag, dem empfehle ich ganz einfach den dreijährigen Havana Club – der ist solide und günstig.

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Brauner Rum: Ron Brugal Extra Viejo

Brauner Rum

Seit meinem Urlaub in der Dominikanischen Republik setze ich beim braunen Rum für meine Cocktails auf den Ron Brugal Extra Viejo, der acht Jahre im Fass lagert. Er hat eine deutliche Würze, die etwas herb und holzig ist, ein wenig Vanillesüße ist auch dabei. Er gehört sicher nicht zu den komplexesten Rums, da gibt es ganz andere gereifte Sorten. Aber ich finde, dass gerade seine etwas gröbere Struktur wunderbar in Mixgetränke passt und er dort nicht untergeht.

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Tequila: Sauza Hornitos Reposado

Tequila

Finger weg vom Sierra Tequila, auch wenn die Flasche mit dem roten Sombrero auf dem Deckel allgegenwärtig ist. Er ist nicht zu einhundert Prozent aus Agave hergestellt, sondern mit anderem Schnaps „aufgefüllt“. Gleiches gilt für den ebenfalls recht bekannten José Cuervo. Wer einmal einen Tequila aus purer Agave probiert, erkennt sofort den Unterschied – und entdeckt Tequila vielleicht wieder für sich, obwohl man ihn nach diversen Saufgelagen mit Zitrone und Salz eigentlich in die Kategorie „nie wieder“ einsortiert hatte. Ich empfehle an dieser Stelle den Sauza Hornitos Reposado, ein leicht gereifter Vertreter seiner Art. Er hat ein sehr fruchtiges Aroma und ist auf der Zunge sowie im Abgang sehr mild. Einziges kleines Manko: Die eingebaute Ausgießhilfe unter dem Deckel verhindert, dass ich meinen eigenen Ausgießer draufstecken kann. Aber das schmälert ja nicht die Qualität des Flascheninhalts.

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Whisky: Jim Beam Rye

Whisky

Das schottische Nationalgetränk, das ursprünglich in Irland erfunden wurde, ist mein eigentliches Spezialgebiet, auf dem ich mich schon ordentlich ausgetobt habe. In der Grundausstattung einer privaten Hausbar haben Iren und Schotten (und alle, die diese Art von Whisky herstellen) allerdings nichts verloren – zumindest vorerst. Denn die meisten Whisky-Cocktails verlangen nach einem Bourbon, also einem US-amerikanischen Whisky. Dieser ist wegen seines hohen Maisanteils vergleichsweise süß und hat ein – ich sag’s einfach – leichtes Klebstoffaroma. Das schmeckt besser, als es klingt. Zu Hause nutze ich allerdings den Jim Beam Rye, also einen Roggen-Whisky mit einem erstklassigen Preis-Leistungs-Verhältnis. Der ist etwas kräftiger im Geschmack und erinnert an die frühen Zeiten vor der Prohibition, in denen Rye der vorherrschende Whisky in den USA war. Natürlich gibt es einen Unterschied zwischen Bourbon und Rye, aber im Cocktail ist er sehr gering.

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Brandy (bzw. Cognac und Armagnac): Comtal Fine Armagnac

Armagnac

Brandy ist nichts anderes als ein Destillat aus Wein, also ein Weinbrand, der vor allem in Spanien populär ist. Auch Cognac und Armagnac sind Brandys. Allerdings dürfen sich nur Brände aus bestimmten Regionen Frankreichs, die noch dazu bestimmte Traubensorten verwenden, „Cognac“ oder „Armagnac“ aufs Etikett schreiben. Wie beim Rum oder Whisky ist es natürlich nicht völlig egal, welche Marke man in den Cocktail mixt – jede hat ihre Eigenart, hinzu kommen die verschiedenen Qualitäts- und Reifegrade wie „Solera“ oder „V.S.O.P“. Aber beim Aufbau der eigenen Hausbar behaupte ich einfach mal: Für einen Brandy-Cocktail könnt ihr ebenso gut einen Cognac oder Armagnac nehmen und umgekehrt. Ich habe dafür zurzeit eine Flasche Comtal Fine Armagnac, der für den Preis ein sehr ausgeglichenes und weiches Aroma hat – ein echter Tipp.

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Süßer und trockener Wermut

Wermuth

Bei einem Wermut – oder auch Vermouth – handelt es sich um einen aromatisierten und verstärkten Wein, der also mehr Alkohol enthält als normaler Wein. Zur Aromatisierung kommen Wermutkraut (daher der Name) und weitere Kräuter zum Einsatz. Die Hersteller bieten ihn meist in einer trockenen sowie süßen Variante an. Oft gibt es auch noch einen „bianco“, der irgendwo dazwischen liegt. Ich nutze zu Hause die Vermouths der Firma Martini (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Cocktail) in den Sorten „Extra Dry“ und „Rosso“, die ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bieten und praktisch in jedem Supermarkt erhältlich sind.

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Angostura Bitter

Angostura Bitter

Bitter geben einem Cocktail den letzten Schliff und kommen wegen des sehr bitteren Geschmacks (wer hätte es gedacht?) nur tröpfchenweise ins Glas. Der bekannteste und meist genutzt Bitter ist Angostura Bitter, hergestellt aus Angelikawurzeln, Gewürznelken, Chinarinde, Zimt, Kardamon, Galgant, Muskatblüte, Pommeranzenschalen und diversen anderen Zutaten. Er kommt in vielen klassischen Cocktails wie beispielsweise dem Old Fashioned oder Manhattan zum Einsatz. Mit einer 100-ml-Flasche kommt man echt lange aus, sollte man sich also gönnen.

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Liköre

Liköre

Welche Liköre man sich in die Hausbar stellt, hängt natürlich im hohen Maße davon ab, welche Cocktails ihr gerne mixt. Denn es gibt Dutzende von verschiedenen Likörarten und darunter fallen jeweils wieder Dutzende von Marken. Es ist schier unüberschaubar. Allerdings kann man sagen, dass einige Liköre doch öfter zum Einsatz kommen als andere. Wenn man sich Rezepte anschaut, tauchen manche Namen doch recht häufig auf. Hier eine kleine Auswahl der – meiner Meinung nach – wichtigsten Liköre:

Triple Sec: Dieser Orangenlikör wird aus der Schale der Curacaofrucht gewonnen. Auch wenn die bekannten Marken Cointreau und Grand Manier streng genommen etwas anders hergestellt werden, würde ich sie geschmacklich in diese Kategorie einordnen. Ich nutze zu Hause allerdings die etwas günstigere Variante von Le Favori.

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Maraschino:
 Ein klarer Likör aus der Maraska-Kirsche, die in Südosteuropa angebaut wird. Ich habe eine Flasche von Bols im Repertoire.

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Apricot Brandy: Auch wenn der Name etwas anderes suggeriert, handelt es sich nicht um einen Weinbrand, sondern einen Aprikosenlikör – der aber je nach Marke etwas Brandy enthält. Auch hier habe ich den Apricot Brandy von Bols in der Bar stehen.

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Kräuterlikör

Kräuterliköre

Der bekannteste Kräuterlikör ist hierzulande wohl der Jägermeister, aber er kann Sachen Aroma und Tiefgang nicht mit den Premium-Kräuterlikören Chartreuse Verte und DOM Bénédictine konkurrieren. Viele Rezepte verlangen explizit nach einem dieser französischen Originale, die im Geschmack sehr eigen und sehr intensiv sind. Ich finde, es lohnt sich, einen davon in der Heimbar zu haben. Der DOM Bénédictine ist etwas günstiger zu haben, der Chartreuse Verte hat dafür deutlich mehr Umdrehungen.

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Der Vollständigkeit halber zähle ich hier noch alle weiteren Spirituosen auf, die in meiner Hausbar stehen. Ich denke, das geht über eine Grundausstattung teilweise hinaus. Aber vielleicht dient es dem einen oder anderen Leser als Inspiration.

  • Liquere de Peche: Pfirsichlikör
  • Kahlua: Kaffeelikör
  • Galliano: Kräuterlikör mit starker Vanillenote
  • Cherry Heering: Likör aus dunklen Kirschen
  • Molinari Sambuca: Anislikör
  • Molinari Sambuca Caffe: Kaffeelikör
  • Duval Pastis: Anisschnaps
  • Orange Bitter: Bitter mit starker Orangennote
  • Williams Christ: Birnenbrand (in diesem Fall aus einer kleinen Brennerei am Bodensee)
  • Bluecoat American Dry Gin Barrel Reserve: Im Fass gelagerter Gin
  • Monkey 47: Exzellenter Dry Gin aus dem Schwarzwald
  • Double Cross Vodka: Premium-Wodka aus Slowenien
  • Metaxa 5 Sterne: Weindestillat mit Wein und Kräutern
  • Canario Cachaça: Zuckerrohr-Destillat aus Brasilien
  • Viele viele Whisk(e)y-Flaschen aus Schottland, Irland, USA und anderen Ländern

Meine Liste besteht natürlich nur aus unverbindlichen Vorschlägen, die keineswegs in Stein gemeißelt sind. Wenn ihr anderer Meinung seid und andere Spirituosen für einen Grundstock in der Heimbar empfehlt, lasst es mich und die anderen Leser wissen.

3 Kommentare

  1. Hallo zusammen, vielen Dank für die tollen Anregungen und die vielen Rezepte zum Mixen. Im Zuge dessen würde mich auch einmal interessieren, ob Ihr schon Erfahrungen mit dem Selber Schnaps Brennen gemachbt hat. Vielleicht könnt Ihr darüber ja auch einmal einen tollen Artikel schreiben, ob es tatsächlich so einfach ist, wie im Internet erzählt wird.

  2. Pingback: canadian pharmacys

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