Der beste rote Wermut: Ein kniffliger Test – und kein Ende in Sicht

Veröffentlicht von

Vor allem als Zutat in klassischen Cocktails ist Wermut wieder sehr beliebt, in den letzten Jahren erlebte der verstärkte Wein ein großes Revival. Zeit für mich, einen Vergleichstest der besonderen Art zu machen. Ich will herausfinden: Welcher ist der beste rote Wermut? Meine Vermutung: Der Test kann dauern!

Negroni, Americano, Manhattan – roter Wermut (oder Vermouth) kommt in vielen klassischen, aber auch immer öfter in modernen Cocktail-Rezepten zum Einsatz. Der aromatisierte und verstärkte Wein erlebt – wie überhaupt viele klassische Zutaten – ein großes Revival. Er legt sein verstaubtes, teils sogar schlechtes Image ab, das er sich in den Nachkriegsjahren zugelegt hat, und lässt sich von Barkeepern und von Hobby-Mixern wiederentdecken.

Kommt nach dem Gin- der Wermut-Hype?

Ein gutes Zeichen dafür sind die vielen und immer neuen Abfüllungen von Winzern, Gin-Herstellern, hippen Start-ups und alteingesessenen Produzenten, die inzwischen sogar im Supermarkt in mehr oder weniger großer Auswahl verfügbar sind. Es steht nicht mehr nur der allgegenwärtige Martini Rosso im Spirituosenregal, sondern auch viele weitere Abfüllungen, die man vor wenigen Jahren kaum im Internet bestellen konnte. Die Rede ist etwa von Belsazar oder Dolin, wobei es letzteren schon sehr sehr lange gibt – aber eben nicht im Bewusstsein der meisten Menschen.

Das ist nur eine der Gemeinsamkeiten mit der seit Jahren anhaltenden Gin-Euphorie. Obwohl: Die exorbitante Anzahl an Gin-Sorten, die einen mittlerweile in fast jedem Edeka, Rewe oder Kaufland völlig überfordern, wird Wermut wohl nie erreichen. Ja ich weiß: Sag niemals nie. Aber da lehne ich mich jetzt einfach mal aus dem Fenster. Der immer noch anhaltende Gin-Craze überschattet einfach alles.

Zurück zum Thema: Die Nutzung verschiedener Kräutermischungen (Botanicals) zur Aromatisierung des Wermuts, aus deren Zusammensetzung die Hersteller teils ein großes Geheimnis machen, erinnert ebenfalls sehr an Gin. Und was beim Gin der Wacholder, ist beim Wermut das Wermutkraut. Aber nicht nur. Denn laut EU-Verordnung müssen Pflanzen der Gattung Artemisia verarbeitet werden und sogar im Aroma vorherrschend sein – was immer das auch konkret bedeutet. Zu dieser Gattung zählen aber neben dem Wermutkraut noch hunderte weitere Arten wie zum Beispiel Beifuß, Eberraute und Estragon.

Unter Strich sind Gin und Wermut dann aber doch grundverschieden. Bei dem einen handelt es sich um einen Brand mit mindestens 37,5 Prozent Alkohol, bei dem anderen um ein Getränk, das eng mit dem Wein verwandt ist – weil es einfach zum Großteil aus Wein besteht. Laut EU-Gesetz muss der Wein einen Anteil von mindestens 75 Prozent ausmachen. Der Alkoholgehalt muss zwischen 14,5 und 21,9 Prozent liegen. Bis zu 130 Gramm Zucker dürfen enthalten sein.

Echt antik: Die Geschichte des Wermuts

Schon im antiken Griechenland und Rom und vermutlich schon deutlich früher im vorchristlichen China und Ägypten haben Winzer ihren Wein mit Kräutern versetzt und so eine Art Wermut hergestellt. Und auch im Mittelalter waren Kräuterweine – unter anderem mit Wermutkraut – durchaus bekannt und beliebt. Erst als Medizin, später auch wieder als Genussmittel.

Antonio Benedetto Carpano hat den roten Wermut also nicht wirklich erfunden, aber ihn 1786 in Turin mit seinem eigenen Rezept aus etwa 30 Zutaten zum kommerziellen Durchbruch verholfen und ihn in der Form auf den Markt gebracht, wie wir ihn heute noch trinken. Deswegen nennt man ihn auch „italienischen Wermut“. In Cocktail-Rezepten ist manchmal auch von „süßem Wermut“ die Rede. Zwar sind rote im Schnitt schon süßer als weiße Wermut-Sorten, doch auch hier bestätigen Ausnahmen die Regel. Jedenfalls werden „rot“, „italienisch“ und „süß“ in diesem Zusammenhang oft synonym verwendet.

Ebenfalls oft synonym verwendet werden „weißer Wermut“, „trockener Wermut“ und „französischer Wermut“, weil ein gewisser Joseph Noilly diese Wermut-Art Anfang des 19. Jahrhunderts in Lyon erfunden hat. Inzwischen gibt es viele weitere Varianten, die irgendwo dazwischen liegen. Heutzutage muss man festhalten: Nicht jeder weiße Wermut ist automatisch ein trockener. Aber zurück zum süßen… ähhh… italienischen … ähhh … roten Wermut:

Herstellung und Lagerung von rotem Wermut

Basis fast aller roten Wermut-Sorten ist – Überraschung – Weißwein. Die meist rötlich-braune Farbe erhält er durch die Zugabe von Zuckerkulör und durch die Kräuter, die dem Wein durch Mazeration ihre Aromen verleihen. Es gibt aber auch Ausnahmen von dieser Regel: Der Martini Riserva Special Rubino (s. unten) zum Beispiel basiert aber auf Rotwein.

Außerdem wird der Wein aufgespritet, was nichts anderes bedeutet, als dass ihm zusätzlich Alkohol hinzugefügt wird. Meist handelt es sich dabei um hochprozentigen Neutralalkohol, es kann aber auch beispielsweise Brandy oder eine andere Spirituose mit Geschmack sein. Das verleiht dem Wermut dann nochmals zusätzliche Akzente. Wegen der Zugabe von Alkohol nennt man Wermut manchmal auch „verstärkten Wein“ bzw. „fortifizierten Wein“. Am Ende darf er aber einen Gesamtalkoholgehalt von 21,9 Prozent nicht übersteigen.

Zum Schluss wird das Mazerat – also die Mischung aus Wein, Kräutern und Spirituose – gefiltert und heruntergekühlt, falls beim Herstellungsverfahren mit Hitze gearbeitet wurde. Je nach Produzent gibt es noch eine Lagerung in Stahltanks oder (seltener) Holzfässern, bevor der Wermut schließlich in die Flaschen und dann in den Laden kommt.

Was die Lagerung von Wermut zu Hause angeht, solltet ihr euch eher an die Regeln für Wein halten: Nach dem Öffnen kühl lagern und relativ schnell aufbrauchen. „Relativ“ heißt in diesem Fall aber, dass wegen des vergleichsweise hohen Alkoholgehalts mehrere Wochen problemlos möglich sind, wenn ihr die Flasche in den Kühlschrank stellt. Wenn ihr zusätzlich noch einen Vakuumstopfen benutzt, um die Oxidation zu verlangsamen, sind noch ein paar Wochen mehr drin. Damit ist Wermut schon etwas pflegeleichter als Wein, kippt aber eben viel schneller als hochprozentiger Schnaps. Ich empfehle, zu diesem Thema einfach meinen Ratgeber über die Haltbarkeit von Spirituosen zu lesen:

Wermut vs. Wermut: Wer macht das Rennen?

Für diesen Test von rotem Wermut habe ich im ersten Schritt 16 Abfüllungen ausgewählt. Aber wie vergleiche ich so viele verschiedene Wermuts miteinander, um den besten herauszufiltern. An einem Abend alle probieren? Unmöglich – nicht nur wegen des Alkohols, sondern auch wegen der Überlastung der Sensorik. Also mach ich einen auf K.O.-Modus und lasse immer zwei Wermuts gegeneinander antreten – pur und im Negroni (klassisches Rezept mit je drei gleichen Teilen Gin, Campari und Wermut). Der bessere kommt weiter und tritt in der nächsten Runde gegen den Sieger aus einer anderen Begegnung an, bis am Ende ein Finale steht. Das sind die Paarungen der ersten Runde (Achtelfinale) im einzelnen (meine bessere Hälfte hat die Losfee gespielt ;-)):

  • Muntaner Rojo – Martini Gran Lusso
  • Del Professore Rosso – Martini Rosso
  • Lustau Red – Gonzalez Byass La Coppa Rojo
  • Martini Riserva Special Rubino – Padro & Co. Rojo Clasico
  • Schwarzwald Spätburgunder (Lidl) – Carpano Antica Formula
  • Bodegas Nodus Descaro – Dolin Rouge
  • Belsazar Red – Cinzano Rosso
  • Helmut Der Rote – Nolly Prat Rouge

Zur schnelleren Übersicht, habe ich den Sieger der jeweiligen Begegnung in der Überschrift grün markiert.

1. Achtelfinale

1. Begegnung:
Muntaner Rojo vs. Martini Gran Lusso

Muntaner Rojo
Nase: Lebkuchen, Orange, Anis, Nelken, Weihnachten
Mund: Glühwein, Zimt, Ingwer, Spekulatius, Honig, eher süß

Martini Gran Lusso
Nase: Rotwein, Trauben, Pflaumen
Mund: Rotwein, Piment, Limette, Süßholz, leicht bitter, aber auch frisch

Negroni-Test + Ergebnis
Als Negroni schmeckt mir der Martini besser, weil er sich besser durchsetzt gegen die anderen Zutaten. Der Muntaner geht unter, von seinen Weihnachtsaromen ist nicht mehr viel zu schmecken. Der Martini ist vollmundiger und tiefer. Deswegen: Der Martini ist weiter

2. Begegnung:
Del Professore Rosso vs. Martini Rosso

Del Professore Rosso
Nase: sehr zurückhaltend, Orange, Minze, Muskat, weißer Pfeffer
Mund: überraschend süß, aber mit einem herb-bitteren Abgang, Honig, Limette, Grapefruit, gute Mischung, aber auch eher dezent im Gesamtbild

Martini Rosso
Nase: muffig-weinig, weiße Trauben (ja genau), nasses Handtuch
Mund: etwas frischer, nicht ganz so angestaubt, aber schmeckt im Vergleich wie billiger Wein, leicht alkoholische Note

Negroni-Test + Ergebnis
Im Negroni schmeckt man den Muff vom Martini Rosso richtig durch, irgendwie gar nicht gut. Der Del Professore ist schon besser, aber ist vielleicht etwas zu kraftlos gegen den Campari. Aber trotzdem ist der Professor eine Runde weiter.

3. Begegnung:
Martini Riserva Special Rubino vs. Padro & Co. Rojo Clasico

Martini Riserva Special Rubino
Nase: Rotwein, Nelken, Orange, Erdbeeren
Mund: Rotwein, Orangen, Erdbeeren, Mandarine, Kräuter

Padro & Co. Rojo Clasico
Nase: Glühwein, Zitronen, Orangen, Zimt, Brühwürfel,
Mund: Glühwein, Honig, Spekulatius, eher süß (vor allem süßer als in der Nase)

Negroni-Test + Ergebnis
Im Negroni schneiden beide schlecht ab und gehen ziemlich unter. Etwas besser gefällt mir noch der Martini, das leicht Kräutrige und die Erdbeeren sind noch wahrnehmbar. Aber das ist eher eine schwache Partie, aus der der Martini mit knappem Vorsprung als Sieger hervorgeht.

4. Begegnung:
Schwarzwald Spätburgunder vs. Carpano Antica Formula

Schwarzwald Spätburgunder
Nase: Rotwein, Erdbeeren, etwas störende Gemüsenote
Mund: billiger Rotwein, Gemüsebrühe, Brombeeren, leicht alkoholische Note

Carpano Antica Formula
Nase: Printen, Lebkuchen, Orangeat, Rosinen, Muskat, Pfeffer
Mund: exakt wie in der Nase, das will schon was heißen

Negroni-Test + Ergebnis
Der Schwarzwald Spätburgunder schmeckt im Negroni noch viel mehr nach Gemüse, Sellerie würde ich sagen. Das will ich eigentlich nicht im Negroni haben, außerdem ist er etwas säuerlich. Dagegen ist der Carpano Antica Formula auch im Negroni ein Genuss: Ein bisschen Weihnachten, ein bisschen Pfeffer und Rosinen. Und er kommt auch gut gegen den Campari an. Runde Sache! Der Carpano Antica Formula kommt eine Runde weiter.

5. Begegnung:
Belsazar Red vs. Cinzano Rosso

Belsazar Red
Nase: Lakritze, Muskat, Vanille, Orange, eine ganz leichte Note von Lebkuchen
Mund: Lakritz, Bitterschokolade, Vanille, Marshmallow, Zimt

Cinzano Rosso
Nase: Lebkuchen, Nelken, Banane, aber insgesamt sehr zurückhaltend
Mund: Bitterorange, ebenfalls Bitterschokolade, Muskat, Nelken, Lebkuchen, etwas kräftiger als im Geruch

Negroni-Test + Ergebnis
Die Lakritz-Note des Belsazar kann ich auch im Negroni noch ganz gut rausschmecken. Das verleiht dem Cocktail etwas Besonderes, was ich bei den anderen bisher so nicht hatte. Der Cinzano hat dagegen überhaupt nichts Besonderes abzuliefern und stinkt gegen den Campari völlig ab. Das heißt: Der Belsazar ist weiter.

6. Begegnung:
Lustau Red vs. Gonzalez Byass La Coppa Rojo

Lustau Red
Nase: Glühwein, Lebkuchen, Ingwer, Zimt, Nelken, kurz: WeihnachtenMund: überraschenderweise Erdbeermarmelade, Orange, Agavendicksaft, Pfirsicheistee

Gonzalez Byass La Coppa Rojo
Nase: Weihrauch, Pflaume, Maracuja, ganz anders als alle bisherigen
Mund: indische Gewürzmischung (mit Fenchel, Anis, Kümmel), geröstete Marshmallows, Glühwein, Nelken, Piment, Pfeffer

Negroni-Test + Ergebnis
Im Negroni bietet mir der Lustau Red wegen seines recht klassischen Aromas nichts Neues: schmeckt gut, aber unspektakulär. Dagegen finde ich die Noten von Weihrauch und indischer Gewürzmischung vom Gonzalez Byass auch im Negroni wieder. Gefällt mir.

7. Begegnung:
Helmut Der Rote vs. Nolly Prat Rouge

Helmut Der Rote
Nase: Rotwein, Glühwein, Piment, Pflaumen, Grapefruit
Mund: Erdbeermarmelade, Honig, Brombeeren, relativ süß, ganz anders als im Geruch

Nolly Prat Rouge
Nase: Beerenwein, Limette, Birne, fruchtig, aber auch leicht säuerlich
Mund: Apfel, Birne, Banane, Waldbeere, fruchtig und wegen der leichten Säure auch sehr frisch

Negroni-Test + Ergebnis
Ich bin unentschlossen – pur und im Negroni. Bisher das knappste Duell im Achtelfinale. Ich mag das dunkle-voluminöse Aroma vom Helmut, aber auch die frisch-fruchtigen Noten vom Nolly Prat. Beides kommt auch im Cocktail gut durch. Ich entscheide rein aus dem Bauch heraus: Glückwunsch Helmut, du bist weiter.

8. Begegnung:
Bodegas Nodus Descaro vs. Dolin Rouge

Bodegas Nodus Descaro
Nase: Glühwein, Rotwein, Nelken, Lebkuchen, Zimt, aber auch leicht muffig und alkoholisch
Mund: geschmacklich viel besser, kein Muff oder Alkohol, dafür rote Beeren, Honig, Vanille, Orangen

Dolin Rouge
Nase: sehr würzig mit Nelken und Pfeffer, aber auch Gemüsebrühe und Chips mit Speck
Mund: etwas Weihnachten und Apfelsaft, aber auch wieder würzig wie eine Brühe (gar nicht negativ gemeint)

Negroni-Test + Ergebnis
Wieder eine enge Kiste. Pur finde ich beide gut und interessant, aber im Negroni kommt die Rotweinnote vom Descaro etwas besser durch. Der Dolin Rouge ist da etwas schwach auf der Brust. Also: Descaro ist der Sieger.

2. Viertelfinale

1. Begegnung:
Martini Gran Lusso vs. Del Professore Rosso

Meine Notizen zur Puverkostung habe ich ja oben schon abgegeben. Daher gleich zum Vergleich im Negroni: Der Martini Gran Lusso macht das Spiel. Er kommt mit seinem kräftigen Rotweinnoten am besten gegen die Bitterkeit des Campari an und drückt dem Cocktail seinen Stempel auf. Der Professor ist dagegen etwas kraftlos. Der Negroni ist nicht schlecht, aber auch nichts Besonderes und zu Campari-lastig.

2. Begegnung:
Martini Riserva Special Rubino vs. Carpano Antica Formula

Geschmack hat auch immer was mit Tagesform zu tun, denn den Martini finde ich jetzt nicht mehr ganz so schwach wie im Achtelfinale (aber das ist ja das Schöne: Nach einem schwachen Spiel kann man in der nächsten Partie wieder bessere Leistung abliefern). Das Rotweinige kommt im Negroni durch, gefällt mir gar nicht schlecht. Allerdings: Der Gegner heute heißt Carpano Antica Formula – so eine Art Bayern München der Wermut-Welt. Da kommt man auch mit einer guten Leistung oft nicht weit. So ist es auch hier: Der Martini ist ganz gut, der Antica ist einfach besser. Vor allem die Blutorange kommt im Cocktail durch. Lecker lecker! Das bedeutet das Halbfinale.

3. Begegnung:
Belsazar Red vs. Gonzalez Byass La Coppa Rojo

Das ist mal ein Spiel auf hohem Niveau. Es fällt mir wirklich schwer, einen Sieger zu küren. Der Belsazar bringt Frucht- und Lakritznoten mit in den Negroni, der Gonzalez Byass punktet mit Weihrauch und indischen Gewürzen. Beide sind gut durchzuschmecken. Tja, also ich entscheide aus dem Bauch heraus: Der Gonzalez Byass macht das Rennen. Die Aromen des Spaniers sind doch noch etwas besonderer als die des deutschen Vertreters. Ganz knapp, aber nicht weniger verdient im Halbfinale: Gonzalez Byass La Coppa Rojo.

4. Begegnung:
Helmut Der Rote vs. Bodegas Nodus Descaro

Auch die Partie ist wieder sehr eng. Beide kommen im Negroni gut zurecht. Auf der einen Seite die Erdbeermarmelade vom Helmut, auf der anderen Seite der Rotwein vom Descaro. Aber weil ich auch mal was anderes will als immer nur Rotwein und ich Erdbeermarmelade auch wirklich gerne mag, erkläre ich Helmut Den Roten zum Sieger.

3. Halbfinale

1. Begegnung:
Gonzalez Byass La Coppa Rojo vs. Helmut Der Rote

Beide Wermuts schmecken mir sehr gut, sonst wären sie auch nicht im Halbfinale. Aber der direkte Vergleich im Negroni fällt dann doch zu Gunsten von Helmut aus. Der hat einfach noch mal mehr Power als der Gonzalez Byass. Er verleiht dem Negroni eine dezente Süße, die dem Campari wunderbar die Stirn bietet – Stichwort „Erdbeermarmelade“. Damit haben wir den ersten Finalisten: Helmut Der Rote.

2. Begegnung:
Martini Gran Lusso vs. Carpano Antica Formula

Ich hatte ein bisschen gehofft, dass der allgegenwärtige Antica Formula im Halbfinale rausfliegt, damit hier mal ein frischer Wind weht. Der wirklich starke Martini Gran Lusso hatte diese Hoffnung genährt. Vor allem pur finde ich, dass sich beide absolut auf einem Level bewegen, dabei aber sehr verschieden schmecken. Allerdings ist der Antica nicht umsonst allgegenwärtig und deswegen siegt er auch im Halbfinale im Negroni. Der Drink ist einfach runder und ausgewogener als mit dem Martini. Mit einem anderen Cocktail wäre das Rennen vielleicht anders ausgegangen, aber ich habe mich nun mal für den Negroni entschieden und muss mich hier an dieser Stelle schweren Herzens vom Martini Gran Lusso verabschieden.

×
Produktpreise und -verfügbarkeit sind zum angegebenen Datum / Uhrzeit korrekt und können sich ändern. Alle Preis- und Verfügbarkeitsinformationen auf https://www.amazon.de/ zum Zeitpunkt des Kaufs gelten für den Kauf dieses Produkts.

4. Finale

Helmut Der Rote vs. Carpano Antica Formula

Sowohl der Helmut als auch der Antica sind absolute Spitzen-Wermuts. Beide haben genug Power, um sich im Negroni gegen den Campari durchzusetzen. Beide sind aber auch recht verschieden (s. oben). Ich musste echt sehr konzentriert mehrmals kosten. Und tatsächlich hat Helmut Der Rote das Rennen gemacht. Dieses Marmeladige und Beerige liefern im Drink einen Hauch mehr Volumen – wirklich einen Hauch. Am Ende musste ich mich entscheiden und ich habe es mir nicht leicht gemacht. Ich will ja auch nicht, dass es heißt, dass ich nur den Helmut genommen habe, damit der ewige Antica nicht gewinnt. Aber so ist es nicht … muss man mir glauben. Also: Der SIEGER meines großen Roter-Wermut-Vergleichstests heißt: HELMUT DER ROTE. Fürs erste!

12%
HELMUT der Rote - Roter Wermut (1 x 0.75 l). Deutscher Premium Vermouth, handgefertigt in Hamburg.
32,05 € (42,73 € / l)
28,13 € (37,51 € / l)
(Stand von: 28.09.2021 - 1:12 - Details)
Bei Amazon ansehen *
×
Produktpreise und -verfügbarkeit sind zum angegebenen Datum / Uhrzeit korrekt und können sich ändern. Alle Preis- und Verfügbarkeitsinformationen auf https://www.amazon.de/ zum Zeitpunkt des Kaufs gelten für den Kauf dieses Produkts.
oder bei IDEALO den besten Preis finden*

Carpano Antica Formula Vermouth (1 x 1 l)
24,00 € (24,00 € / l)
(Stand von: 28.09.2021 - 7:31 - Details)
Bei Amazon ansehen *
×
Produktpreise und -verfügbarkeit sind zum angegebenen Datum / Uhrzeit korrekt und können sich ändern. Alle Preis- und Verfügbarkeitsinformationen auf https://www.amazon.de/ zum Zeitpunkt des Kaufs gelten für den Kauf dieses Produkts.
oder bei IDEALO den besten Preis finden*

5. Der Test geht weiter … immer weiter

Nach dem großen Finale ist vor dem nächsten Spiel. Wer gedacht hat, hier endet der Wermut-Test, ist schief gewickelt. Es geht immer weiter! Ab jetzt muss jeder neue rote Wermut, der mir in die Hausbar kommt, gegen die beiden Finalisten antreten, also gegen Helmut Der Rote und Carpano Antica Formula. Ich steige aber aus dem Turniermodus aus, es gibt kein Ausscheiden mehr. Jeder neue Kandidat muss gegen die beiden Finalisten ran; es sind quasi die Benchmarks, mit denen ich alle weiteren Wermuts vergleiche. Ich bin gespannt, wie die Neuen sich schlagen. Los geht’s:

La Quintinye Vermouth Rouge

Nase: Printen, Lebkuchen, Brombeeren, Zimt, leichte Maggi-Note
Mund: Brombeere, Blaubeere, Lebkuchen, Muskat, trocken

Der La Quintinye Vermouth Rouge wirkt auf mich wie eine deutlich trockenere Version des Carpano Antica Formula. Die Aromen ähneln sich sehr. Letzterer ist lediglich süßer, was gerade im Negroni ein Vorteil ist. Ich finde, er setzt sich hier stärker durch und macht die ohnehin schon trockene Mischung aus Gin und Campari nicht noch trockener. Helmut Der Rote ist in diesem Vergleich ganz raus bzw. wird nicht herausgefordert, weil die dominanten Aromen von Rotwein den Helmut deutlich von den beiden anderen unterscheiden.

Fazit: Der La Quintinye Vermouth Rouge ist zweifellos ein toller Wermut und in bestimmten, vielleicht lieblicheren Cocktails sicher die bessere, weil er einen Kontrapunkt setzt. Aber im Negroni bleibe ich beim Antica Formula.

La Quintinye Vermouth Royal Rouge 16,5% Vol. 16,50% 0,75 lt.
51,70 € (68,93 € / l)
(Stand von: 28.09.2021 - 5:30 - Details)
Bei Amazon ansehen *
×
Produktpreise und -verfügbarkeit sind zum angegebenen Datum / Uhrzeit korrekt und können sich ändern. Alle Preis- und Verfügbarkeitsinformationen auf https://www.amazon.de/ zum Zeitpunkt des Kaufs gelten für den Kauf dieses Produkts.
oder bei IDEALO den besten Preis finden*

Cocchi Vermouth di Torino

Cocchi Vermouth di Torino

Nase: Printen, brauner Zucker, Kaffee, Traubensaft, Pfeffer
Mund: Schokolierte Orangen, Karamell, Lebkuchen, rote Trauben, Muskatnuss

War der La Quintinye Vermouth Rouge (s. oben) noch die trockenere Variante des Carpano Antica Formula, ist der Cocchi Vermouth di Torino die lieblichere Version. Auch hier stehen die generellen Weihnachtsaromen von Printen, Lebkuchen und Orangen im Vordergrund, dazu gibt es aber Karamell und rote Trauben. Das macht auch den Negroni etwas süßer und karamelliger, wenn man so will. Der Cocchi ist ein starker Gegner für den Antica Formula. Helmut Der Rote ist auch in diesem Vergleich wieder außen vor, weil der Rotwein und die Erdbeermarmelade des Helmuts in eine ganze andere Richtung gehen.

Fazit: Schwierig! Cocchi Vermouth di Torino und Carpano Antica Formula sind sich sehr ähnlich, letzterer etwas würziger und trockener – aber nur leicht. Echt schwierig! Da kann ich mich kaum entscheiden. Beide gut, beide absolut empfehlenswert und auf einem Level. Hier entscheidet letztlich der eigene Geschmack. Aber mir gefallen beide echt gleich gut.

13%
Cocchi Vermouth di Torino Wermut (1 x 0.75 l)
24,00 €
17,90 €
(Stand von: 28.09.2021 - 7:31 - Details)
Bei Amazon ansehen *
×
Produktpreise und -verfügbarkeit sind zum angegebenen Datum / Uhrzeit korrekt und können sich ändern. Alle Preis- und Verfügbarkeitsinformationen auf https://www.amazon.de/ zum Zeitpunkt des Kaufs gelten für den Kauf dieses Produkts.
oder bei IDEALO den besten Preis finden*

Mal schauen, welcher rote Wermut es als nächster in meine Hausbar schafft und gegen Antica Formula und Helmut antreten muss. Ihr werdet es erfahren, hier an dieser Stelle. Also ab und zu mal reinschauen :-)

9 Kommentare

  1. Sehr guter Artikel, bei dem ich mich bei der Bewertung anschließen kann. Der Antica Formula ist auch mein Favorit. Was für einen Gin hast Du denn für den Negroni genutzt, da der ja auch einen grossen Einfluss hat. Und jeder Gin teilweise anders mit den Wermut harmoniert.

    1. Hi Leo, danke für die netten Wort und berechtigte Frage: Ich habe ganz einfach den Gordon’s genommen, der kommt den Wermuts nicht mit irgendwelchen schrägen Aromen dazwischen, sondern liefert einfach den Wacholder-Geschmack, den man braucht.

  2. Vielen Dank für den differenzierten und wirklich hilfreichen Artikel! Ich wollte mir aus Gewohnheit eine Flasche Belsazar bestellen, habe mich nach Deiner Beschreibung und Bewertung nun aber für den Martini Riserva entschieden und freue mich aufs Probieren. Auch der vorherige Kommentar hilft, da ich genau das plane: Negroni.

    Cheers und liebe Grüße!
    Lotta

  3. Moin Chris,
    ich fand Deinen Artikel sehr hilfreich, da ich gerade auf der Suche nach einem guten Vermouth für den Negroni bin. Deine Beschreibung des Antica Formula kommt meinem Geschmack sehr nahe und deshalb werde ich ihn ausprobieren.
    Zum Gin: ich kann mir eher einen Tanqueray No.Ten dazu vorstellen.
    Zum Glück sind Geschmäcker verschieden ;-)
    Prost zusammen
    Christoph

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.