Cocktail und Strohhalm – beides gehört für viele Menschen untrennbar zusammen. Dabei sind die Milliarden Plastikröhrchen, die täglich über den Tresen gehen, ein echtes Problem.
Ich trinke meine Cocktails am liebsten ohne Strohhalm. Aber bevor jetzt gleich das Raunen durch die Menge geht: Nein, ich bin kein Öko-Aktivist, der anderen ein schlechtes Gewissen machen will. Ich muss nämlich gestehen, dass ich beim Verzicht auf den Trinkhalm bisher selten an die Umwelt gedacht habe. Ich finde das Trinkerlebnis ohne Schlürfhilfe einfach besser. Das mag auch daran liegen, dass ich wesentlich häufiger Shortdrinks als Longdrinks trinke. Aber auch den Gin Tonic mag ich lieber ohne Strohhalm.
Warum zwei Strohhalme pro Glas?
Nun bin ich vor kurzem über diesen Artikel zur Geschichte des Strohhalms gestolpert und habe erfahren, dass er zu Beginn in den 1880ern tatsächlich aus Stroh gefertigt wurde. Später hat sich dann ein Erfinder aus Washington die Ausführung mit Papier patentieren lassen. Aber seit den 1960er-Jahren ist er eben zu 99 Prozent aus Plastik. Bei weiteren Lektüren habe ich dann gelesen, dass in Deutschland etwa 40 Milliarden Strohhalme pro Jahr und in den USA sage und schreibe 500 Milliarden Strohhalme pro Tag benutzt werden. Ich finde, dass die beiden Angaben irgendwie zu weit auseinander liegen und entweder das eine zu niedrig oder das andere zu hoch beziffert ist. Aber fest steht: Tonnen von Plastikröhrchen landen jedes Jahr weltweit im Müll – und das nach nur einmaligem Gebrauch. Verrückt! Noch verrückter ist, dass manchmal ein Getränk sogar mit zwei Strohhalmen serviert wird.
Ohne Plastik geht's doch auch
So! Jetzt bin ich immer noch kein Öko-Aktivist. Aber Plastikmüll ist – vor allem für die Meere – ein ernsthaftes und schnell wachsendes Problem. Schaut euch dazu unbedingt das Video an (s. unten). Nicht umsonst verbannt man zum Beispiel Plastiktüten zunehmend aus dem Handel. Entweder findet man sie im Laden gar nicht mehr oder sie kosten 20 Cent – mit dem Ziel, dass weniger davon in Umlauf kommen. Warum nicht auch mit Strohhalmen sowas durchziehen? Was der Handelsverband Deutschland letztes Jahr für Einwegtüten beschlossen hat (zwar auf Druck der Öffentlichkeit und Politik, und gerade Umweltschützer hätten lieber ein echtes Gesetz statt bloß einer Selbstverpflichtung gesehen), das könnte doch der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband in Sachen Strohhalm ebenfalls auf den Weg bringen.
Das ursprünglich eingebundene YouTube-Video ist in diesem Archiv derzeit nicht verfügbar.
Trinkhalme aus Glas oder Metall
Dann hätten die Gäste eine Wahl: Entweder sie verzichten auf den Strohhalm oder sie zahlen 20 Cent mehr pro Cocktail. Ich könnte mir vorstellen, dass die Menge an Plastikmüll in der Gastronomie dann ganz automatisch deutlich zurückgeht. Oder aber die Bars und Kneipen sind sehr kundenfreundlich und stellen auf Mehrweg-Trinkhalme aus Glas bzw. Metall um – zumindest für die Drinks, die man ohne Hilfe nur schlecht trinken kann, wie zum Beispiel einen Mint Julep. Ich kenne auch Bars, die servieren erst einmal alle Cocktails pauschal ohne Strohhalm und rücken nur auf Nachfrage einen raus. Auch das ist eine gute Idee. Denn oft benutzen wir ja den Strohhalm, weil er sowieso im Glas ist – und nicht, weil wir ihn so dringend brauchen.

#stopsucking für weniger Müll im Meer
Dass ich nicht der erste mit solch einer Idee bin, ist wohl allen klar. Ich weiß nicht, ob es in Deutschland eine entsprechende Initiative gibt (wenn ihr was wisst, gerne melden), aber ich möchte an dieser Stelle auf die Kampagne #stopsucking der Lonely Whale Foundation aus den USA hinweisen, die so viele Leute wie möglich davon abbringen möchte, an einem Trinkhalm zu nuckeln – zumindest, wenn er aus Plastik ist. Sie verknüpft dieses Vorhaben mit einer Challenge, bei der man seine Twitter-Follower, aber im Prinzip auch jeden anderen einladen kann, sich zum Verzicht auf Strohhalme zu bekennen und dies öffentlich bekanntzumachen. Weitere Bewegungen sind The Last Plastic Straw ebenfalls aus den USA oder The Last Straw aus Australien.
Wer also ein bisschen was für die Umwelt tun möchte, kann ganz einfach im Kleinen anfangen und den Strohhalm weglassen. Es ist so simpel und bewegt vielleicht auch den Chef der eignen Stammbar dazu, über die Sache mit den verrückten Trinkhalmen aus Plastik nachzudenken.


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