Whisky- und Rum-Tastings in Zeiten von Corona: Interview mit Jan Maaßen von Spirit Tastings

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Jan Maaßen von Spirit Tastings

Seit fast sechs Jahren veranstaltet Jan Maaßen in Rheinbach bei Bonn Whisky- und Rum-Tastings. Wie viele andere in der Branche hat auch er mit den Folgen der Corona-Pandemie zu kämpfen. Keine leichte Zeit! Mir hat er ein paar Fragen zum Thema beantwortet.

Du hast dich 2014 nebenberuflich mit der Veranstaltung von Whisky- und Rum-Tastings selbständig gemacht? Wie lief es mit deinem Business bis Anfang März 2020?

Im November 2014 habe ich angefangen, nebenberuflich einmal pro Monat Tastings zu geben. Der Start war holprig, viele Tastings wurden ein bisschen mit Freunden oder Familie aufgefüllt, damit genug Teilnehmer dabei waren. Aber das brauchte ich bald nicht mehr. Bis März 2020 hatte ich schon über 700 Gäste, viele waren immer wieder mal dabei. Von Jahr zu Jahr lief es besser. Häufig musste ich schon möglichen Gästen absagen, weil meine Tastings ausgebucht waren. Meine Open Bottle Party, die einmal pro Jahr stattfindet, hat sich schon fest etabliert und wird immer besser angenommen.

Dann kam die Pandemie mit all ihren bitteren Folgen. Wie haben die Corona-Einschränkungen dich und deinen Tasting-Betrieb getroffen?

Die Tastings im März, April und Mai musste ich komplett absagen und somit circa 50 Teilnehmern absagen. Es fanden auch keine Whiskymessen mehr statt, auf denen ich teilweise mit am Stand der Firma Schlumberger arbeiten konnte. Die Open Bottle Party mit über 50 Teilnehmern war für den 22. August geplant und musste leider auch ausfallen. Umsatzmäßig bin ich bis jetzt bei etwa der Hälfte im Vergleich zum Vorjahr. Meine Prognose sieht auch ähnlich aus bis Ende des Jahres.

Viele Tasting-Veranstalter haben mit Online-Tastings reagiert? Hattest du diese Möglichkeit auch in Betracht gezogen?

Tatsächlich hatte ich das. Plötzlich schossen die Online-Tastings ja wie Pilze aus dem Boden. Aber ich fürchte, dass meine Gästezahl generell zu klein ist, um das regelmäßig mit genug Teilnehmern auf die Beine stellen zu können.

Seit einiger Zeit lockern Politik und Behörden die Corona-Einschränkungen. Darfst du jetzt wieder loslegen? Wie sieht der Neustart bei dir aus?

Ich darf wieder mit Tastings starten, allerdings nur unter Einschränkungen, die wir aus der Gastronomie alle kennen: zum Beispiel das Tragen des Mundschutzes beim Betreten der Lokalität bis zum Tisch, die Aufnahme der Kontaktdaten und so weiter. Ich werde jetzt im Vorfeld schon alle Whiskys ausschenken und die Teilnehmerzahl wird stark runter gefahren, um die Abstände einhalten zu können. Vorher hatte ich teilweise um die 20 Gäste jetzt werden es etwa zwölf werden. Ansonsten laufen die Tastings wie gewohnt ab und ich hoffe, meine Gäste nehmen das Angebot auch direkt wieder an.

Machst du dir du Sorgen um eine so genannte zweite Welle? Ein neuer massiver Lockdown hätte für die Wirtschaft vermutlich noch weitaus schlimmere Folgen als der erste. Wie sieht das bei dir aus?

Mich trifft es ja nur sekundär, da ich das Ganze als Nebenberuf mache und nicht existenziell auf die Tastings angewiesen bin. Zum Glück! Fachhändler, Shops oder Kollegen, die von Tastings und Veranstaltungen leben, werden eine zweite Welle viel schwerer verkraften. Einige würden das sicher nicht überleben. Hier kann ich nur an alle nochmals appellieren, dass sich jeder an die Mindestabstände und die Maßnahmen der Behörden hält.

Als Mitarbeiter der Schlumberger Vertriebsgesellschaft hast du auch hauptberuflich mit Spirituosen zu tun und bist oft auf Whisky-Messen unterwegs. Was glaubst du, wann und vor allem in welcher Form es mit solchen Events weitergehen kann?

Die beiden Messen in Berlin (Whisky Herbst und Köpenicker Whiskyfest, Anm. d. Red.) sollen dieses Jahr stattfinden. Zumindest ist das der aktuelle Stand. Beide sind als Outdoor-Events geplant, was es überhaupt erst möglich macht. Beide arbeiten mit Konzepten und Regeln für Gäste und Teilnehmer und einer Begrenzung der Besucherzahl. Die Messe in Mühlheim (Aquavitae) wurde leider abgesagt, Frankfurt (Interwhisky) noch nicht. Ich glaube, da wird die Absage aber noch kommen. Für nächstes Jahr überlegen auch schon die ersten Veranstalter für Februar und bis in den März hinein, ob und wie die Whisky-Messen überhaupt stattfinden können. Ich fürchte, bis es normal läuft und wir wieder Messen erleben wie wir es kennen, wird es Sommer nächsten Jahres werden. Bis wir einen Impfstoff haben. Vorher wird es immer Einschränkungen geben. Seien es Abstände zwischen den Besuchern oder maximale Besucherzahlen, die in die Hallen dürfen. Dann ist auch immer die Frage, ob es sich für den Veranstalter und die Aussteller überhaupt lohnt. Also eine ganz schwierige Frage.

Vielen Dank an Jan für die Zeit und die offenen Worte. Auf spirit-tastings.de findet ihr seine aktuellen Tasting-Termine.

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