Whisky-Tasting: Milk & Honey Classic vs. Founder’s Edition

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Whisky-Tasting: Milk & Honey Classic vs. Founder's Edition

Die Milk & Honey Distillery ist die erste Whisky-Brennerei in Israel. Ich hatte die Chance, sowohl den Classic (Standardabfüllung) als auch die Founder`s Edition (Sonderabfüllung) zu verkosten.

Ist Israel das Land, in dem Milch und Honig fließen? Keine Ahnung, ich war noch nie dort. Aber seitdem es eine Whisky-Brennerei in Tel-Aviv gibt, ist das Land dem Status zumindest ein gutes Schritt nähergekommen. Die Milk & Honey Distillery wurde 2012 gegründet und orientiert sich bei der Produktion stark an schottischen Standards. Master Distiller und Branchengröße Jim Swan – 2017 leider verstorben – war phasenweise in den Aufbau der Brennerei eingebunden. Die Verantwortlichen bei Milk & Honey sind trotz der klassische schottischen Vorbildes durchaus offen für Experimente, was die Fassreifung angeht. Lagerung in ehemaligen Weißwein- oder Granatapfelweinfässern sind nur zwei Beispiele.

M&H Classic (Standardabfüllung)

Selbst bei der Standardabfüllung, seit Anfang des Jahres auch in Deutschland zu haben, ist man experimentierfreudig – zumindest für eine Standardabfüllung: Er reift sowohl in Ex-Bourbon-Fässern (gar nicht ungewöhnlich) und in Ex-Rotwein-Fässern (schon etwas ungewöhnlicher). Bei Letzteren handelt es sich um STR-Fässer. Das steht für shaved, toasted and re-charred. Die Rotweinfässer wurden also auf der Innenseite ausgekratzt und danach getoastet sowie ausgebrannt. Dieses aufwändige Verfahren hat besagter Jim Swan erfunden und es sorgt dafür, dass die Rotweinaromen etwas zurückgeschraubt werden, während die Holzaromen wieder etwas mehr in den Vordergrund drücken. Die Standardabfüllung heißt simpel M&H Classic, ist drei Jahre alt und hat 43 Prozent Alkohol. Die 0,7-Liter-Flasche kostet rund 43 Euro.

Tasting-Notes zum M&H Classic

Geruch: In der Nase ist der Classic angenehm und fruchtig, aber auch unscheinbar und etwas zu dezent. Ich rieche Vanillejoghurt, Orangenschale, Stroh, frisch gebackenes Brot und eine leichte Pfeffernote.

Geschmack: Honig und Äpfel kommen mir als erstes in den Sinn. Er prickelt sofort im ganzen Mund, ohne dabei zu alkoholisch zu schmecken. Dazu kommen saure Ananas und Kiwi. Insgesamt ist er auch im Mund überwiegend fruchtig, aber ebenfalls zurückhaltend.

Abgang: Erstaunlich trocken mit viel Eiche und Schwarzbrot. Er bleibt doch länger auf der Zunge, als ich im ersten Moment erwartet hätte.

Fazit: Für einen gerade mal drei Jahre alten Single Malt sehr gelungen. Er ist nicht sprittig, dafür fruchtig und sanft. Lange in Erinnerung wird er mit allerdings auch nicht bleiben. Dafür bietet er mir persönlich einfach zu wenig Komplexität. Es ist ein einfacher Whisky, der sich einfach trinken lässt. Aber für den ersten Wurf? Tiptop!

M&H Founder’s Edition (Sonderabfüllung)

Mit der M&H Founder’s Edition hat die Brennerei 2013 Geld für den Aufbau des Betriebs gesammelt – mit einer Crowdfunding-Kampagne. Wer die Destille mit einer entsprechenden Summe unterstützt hatte, bekam eine der auf 1.000 Stück limitierten Flaschen. Die Founder’s Edition ist ebenfalls drei Jahre und reift ebenfalls in Ex-Bourbon- und STR-Rotwein-Fässern. Aber: Es gab ein Finish in ehemaligen Pedro-Ximénez-Sherry-Fässern und die Alkoholstärke liegt bei ordentlichen 57 Prozent.

Vielen Dank an Christian, der bei der Crowdfunding-Kampagne mitgemacht und mir ein Sample der Founder’s Edition abgeben hat. Auch das Foto oben rechts ist von ihm.

Tasting-Notes zum M&H Founder’s Edition

Geruch: Ich rieche vor allem süße Ananas, säuerliche Limette und vollreife Birnen. Dazu kommen Rosen und Puddingteilchen. Alles in allem ist der Founder’s Edition vergleichsweise süß und durchaus kräftig. Der Alkohol kitzelt etwas in der Nase.

Geschmack: Im Mund geht es süß und aromatisch weiter: Honig und Vanille, Twix, Sahnebonbons, Mango, Ananas, Pflaumen. Ich bin bei so einem Whisky immer wieder überrascht, dass eine Spirituose ohne Zuckerzugabe (mal abgesehen vom Fasseinfluss) so süß und saftig schmecken kann.

Abgang: Der Nachklang ist etwas trockener, aber die Süße ist immer noch da. Der Abgang ist vielleicht am besten mit Rübenkraut vergleichbar: würzig, aber trotzdem süß. Der Whisky bleibt nach dem Runterschlucken eine Weile auf der Zunge.

Fazit: Die Founder’s Edition ist im Mund viel cremiger und öliger als der Classic. Er ist sowieso viel kräftiger und vor allem süßer, was ihm mehr Volumen verleiht. Den Alkohol halte ich für besser eingebunden, denn obwohl er 11 Prozent mehr hat, ist er doch etwas zurückhaltender.

Der M&H Founder`s Edition klingt nicht nur auf dem Datenblatt besser, er ist es auch im Tasting. Ein wirklich sehr guter Whisky – gerade, wenn man das Alter berücksichtig. Den M&H Classic finde ich solide. Mehr aber nicht!

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