Torf von der Insel, Gerste aus der Region, Sherry aus dem Fass: So unterschiedlich schmeckt Whisky

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Whisky im Test

Zwei ganz neue Whisky-Abfüllungen von der Insel Islay und einen altbekannten Tropfen aus dem Herzen Schottlands habe ich diesmal im Glas: Lagavulin 8 Jahre, Bruichladdich Islay Barley 2010 und Glengoyne 21 Jahre. Alle drei unterscheiden sich grundlegend voneinander – und ich habe einen klaren Favoriten.

Lagavulin 8 Jahre

Wer „Torf“ sagt, dem fällt als nächstes meist „Lagavulin“ ein. Für mich ist der Name der Brennerei praktisch ein Synonym für rauchigen Single Malt von der Inneren Hebriden-Insel Islay, dem Zentrum torfigen Whiskys. Die Standardabfüllung mit 16 Jahren gehört schon seit vielen Jahren zu den populärsten auf dem Markt. Nun haben die Leute von Lagavulin anlässlich des 200-jährigen Bestehens der Destille in diesem Jahr eine Abfüllung mit acht Jahren auf dem Buckel veröffentlicht.

Warum acht Jahre? Schriftsteller Alfred Barnard reiste für sein Werk „The Whisky Distilleries of the United Kingdom“ 1885 durch Schottland und besuchte dabei unter anderem Lagavulin. Dort verkostete er einen Achtjährigen, der im offensichtlich mundete – was er wiederum in sein Buch schrieb. Für die Brennerei scheint das ein besonderer Meilenstein in ihrer Geschichte zu sein – daher jetzt die Neuauflage dieser Abfüllung.

Nachdem dieser Single Malt acht Jahre in amerikanischen Refill-Eichenfässern gelagert wurde, kommt er mit guten 48 Prozent in die Flasche – angeblich nachgefärbt. Der Preis liegt bei rund 50 Euro.

Lagavulin 8 Jahre

Farbe: Der Whisky ist extrem hell, fast farblos. Das wundert mich nicht, weil er ja noch sehr jung ist. Ich kann allerdings kaum glauben, dass er nachgefärbt wurde.

Geruch: Da ist sofort der typische Lagavulin-Geruch – maritime Note und deutlicher Rauch. Es riecht wie ein Lagerfeuer am Strand. Aber: Ich finde, dass die 48 Prozent Alkohol sich ungewöhnlich stark bemerkbar machen – also die Nase nicht zu tief ins Glas stecken.

Geschmack: Der Islay-Torf ist sofort da und füllt den ganzen Mund aus. Aber es ist eine sehr feine Rauchigkeit, kein Sack voller Kohle wie bei anderen Kandidaten von der Insel. Außerdem schmecke ich deutlich Marzipan heraus, eine leichte Süße ist trotz der Rauchwolken also auch dabei. Eine spannende Kombination, die für Kenner des Lagavulin 16 nicht ganz neu ist. Im Unterschied zur älteren Abfüllung ist dieser Jungspund aber etwas spritziger und leichter. Das macht sich auch im Abgang bemerkbar, denn der ist nicht besonders lang.

Fazit: Der 8-Jähriger erinnert deutlich an den 16-Jährigen, die Verwandtschaft ist nicht zu leugnen. Allerdings ist er weniger komplex als der Alte, es gibt hier weniger zu erkunden. Beide Abfüllungen sind derzeit etwa gleich teuer, weswegen ich das Geld eher in den Lagavulin 16 investieren würde.

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Bruichladdich Islay Barley 2010

Die Mälzung der Gerste, die Form der Brennblasen für die Destillation, die Art der Fässer für die Reifung – das sind die Faktoren, auf die Whisky-Brennereien (auch und gerade bei der Vermarktung) großen Wert legen. Von der Herkunft der Gerste ist höchstens mal am Rande die Rede – nicht so bei Bruichladdich. Die Destille, ebenfalls auf Islay ansässig, stellt das Terroir in den Fokus.

Den Begriff kennt man ja vor allem aus der Weinproduktion. Er bezeichnet die Gesamtheit der natürlichen Faktoren, die die Weintrauben und damit den Wein beeinflussen – also vor allem Bodenbeschaffenheit und Klima. In diesem Fall sind es die Faktoren, die Gerste und damit schließlich den Whisky beeinflussen.

Der 2010er ist die fünfte Ausgabe der Islay Barley-Serie. Die Gerste wurde 2009 geerntet und stammt von Islay-Farmen – die Verpackung verrät sogar, um welche es sich im Detail handelt. Im darauffolgenden Jahr wurde der New Make destilliert, in amerikanische Ex-Bourbon-Fässer gefüllt und Anfang 2017 abgefüllt – und zwar mit kräftigen 50 Prozent, ohne Farbstoff und ohne Kühlfilterung. Es handelt sich also um einen echten Jahrgangs-Whisky, und preislich ist man mit 50 Euro dabei. Ganz nebenbei: Torfig sind die Bruichladdich-Whiskys schon lange nicht mehr, obwohl sie von Islay kommen. Dafür gibt es von der Brennerei die Serien Octomore und Port Charlotte.

Bruichladdich Islay Barley 2010

Farbe: Ein sehr helles Gold lässt die Jugendlichkeit dieser Abfüllung erahnen, dennoch finde ich die Farbe ansprechend.

Geruch: Mandarine und weiße Trauben vermischen sich mit frisch gebackenem Brot und Haferflocken. Insgesamt ist der Duft sehr leicht und dezent, frisch und mit einer ganz leichten Süße – eine feine Nase, wie ich finde. Der Alkohol ist nicht zu spüren.

Geschmack: Ich habe sofort die Assoziation von Haferkeksen im Kopf, danach macht sich der Alkohol bemerkbar. 50 Prozent sind eben nicht ganz ohne, dank eines leichten Honigaromas aber gut zu verkraften. Der Abgang erinnert mich an den Geschmack purer, unbehandelter Weizenkörner direkt vom Feld. Eine tolle Erinnerung an meine Kindheit auf dem Land, das habe ich so noch nie bei einem Whisky geschmeckt. Klasse!

Fazit: Der Bruichladdich ist mein Favorit von den drei hier verkosteten Whiskys. Das herbe Aroma aus kräftigem Getreide und ganz leichter Süße in Nase und Mund find ich extrem gelungen. Davon eine Flasche für die eigene Hausbar? Ich kann es mir gut vorstellen.

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Glengoyne 21 Jahre

Glengoyne gehört eher zu den etwas kleineren Whisky-Brennereien in Schottland, dennoch sind die Abfüllung aus den südlichen Highlands sehr beliebt. Eine meiner ersten Flaschen war ein Glengoyne des unabhängigen Abfüllers A.D Rattray.

Dieser 21-Jährige kommt hingegen direkt vom Hersteller und ist schon lange auf dem Markt; es ist die zweitälteste reguläre Abfüllung von Glengoyne (es gibt noch eine mit 25 Jahren). Bei der Reifung kommen First Fill Sherry-Fässer zum Einsatz, das Holz liefert also einen ordentlichen Beitrag zum Aroma – zumal 21 Jahre Zeit waren dafür. Er wird weder nachgefärbt, noch kühlgefiltert und der Alkoholgehalt liegt bei 43 Prozent. Angesichts der Preise, die inzwischen auf dem Markt für Single Malt ausgerufen werden, muss ich sagen: Mit rund 95 Euro ist er für einen 21-Jährigen tatsächlich noch bezahlbar.

Glengoyne 21 Jahre

Farbe: Die 21 Jahre im Fass haben ihre Spuren hinterlassen und verleihen dem Whisky eine satte Bernsteinfarbe, die mir schon alleine Appetit auf mehr macht – vor allem, weil ich weiß, dass er nicht nachgefärbt ist.

Geruch: Eine ordentliche Packung dunkler, reifer Früchte strömt mir entgegen. Pflaumen, Rosinen, Kirschen und Orangen, aber auch würzige Noten von Tabak, Maronen und Leder kann ich riechen. Das ist schon recht typisch für einen so alten Whisky aus dem Sherry-Fass.

Geschmack: Im Mund ist er zuerst etwas säuerlicher und frischer als in der Nase. Das erinnert mich an Menthol, Minze, Äpfel und Zitronen. Danach kommen aber schnell Würze und Bitterkeit: Zartbitterschokolade, englische Orangemarmelade mit Schale, Muskat. Der Abgang ist recht lang, trocken und voller Eiche.

Fazit: Der Glengoyne 21 ist ein wunderbarer Mix aus süßer Frische und trockener Würzigkeit. Hier hat man alles in einem Glas, was einen tollen Sherry-lastigen Whisky ausmacht.

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Danke an Tom von tomtrinkt.de für die Bereitstellung der Samples :-)

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