Whisky-Duell: Ardbeg An Oa gegen Ten, Uigeadail und Corryvreckan

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Ardbeg An Oa

Da waren es plötzlich vier! Die schottische Whisky-Brennerei Ardbeg hat ihr Standardsortiment um eine neue Abfüllung erweitert. Neben dem Ardbeg Ten, Ardbeg Uigeadail und Ardbeg Corryvreckan haben Freunde rauchiger Tropfen ab sofort auch den Ardbeg An Oa zur Auswahl. Wie schlägt sich der neue Whisky gegen die etablierten Abfüllungen? Ich habe den Test gemacht.

Schon lange gehören die Abfüllungen von Ardbeg, beheimatet auf der schottischen Insel Islay, zu den populärsten unter Whisky-Freunden. Neben vielen limitierten und Sonderabfüllungen, die die Brennerei immer wieder mal in den Handel bringt, gibt es ein Kernsortiment, das durchgehend zu haben ist. Dieses Sortiment ist langsam gewachsen und umfasst erst seit letztem Monat vier Flaschen. Zuerst gab es den Ardbeg Ten, der im Jahr 2000 auf den Markt kam. Es folgten der Ardbeg Uigeadail im Jahr 2003 sowie der Ardbeg Corryvreckan im Jahr 2009. Die jüngste Abfüllung im Portfolio heißt Ardbeg An Oa und ist seit Oktober dabei.

Den Verkaufsstart des An Oa nehme ich zum Anlass, dass komplette aktuelle Standardsortiment zu verkosten und vor allem die vier Sorten miteinander zu vergleichen. Die drei älteren Ardbeg-Whiskys hab ich in den letzten Jahren schon mehrfach getrunken, man findet sie ja inzwischen in fast jeder halbwegs gut sortieren Bar (zugegeben: nach dem Corryvreckan muss man schon etwas länger suchen). Den neuen habe ich letzte Woche auf einer Open Bottle Party zum ersten Mal verkostet und er hat mir sofort sehr gut gefallen.

Doch wie unterscheiden sich die vier Abfüllungen voneinander? Welcher ist mein Favorit? Das wollte ich rausfinden – in einem direkten Vergleich aller vier. Und euch möchte ich natürlich meine persönlichen Eindrücke aus dem Ardbeg-Tasting schildern.

Alle Abfüllungen von Ardbeg sind weder gefärbt noch kühlgefiltert. Der Ardbeg Ten ist dabei der einzige mit einer konkreten Altersangabe. Er ist – Überraschung – zehn Jahr alt. Dass der für Ardbeg typische Geruch und Geschmack nach Lagerfeuer, Räucherspeck und Seeluft in allen vier Abfüllungen deutlich sind, erwähne ich nicht jedes Mal explizit. Denn dass es sich bei Ten, Uigeadail, Corryvreckan und An Oa um typische Ardbegs handelt, ist sowas von eindeutig.

Ardbeg Whisky Duell
Farbvergleich: Ardbeg Ten, Ardbeg Uigeadail, Ardbeg Corryvrecka und Ardbeg An Oa

Ardbeg Ten

Alkohol: 46 Prozent
Fasstyp: Ex-Bourbon
Preis: ca. 40 Euro
Die Abfüllung ist nach ihrer Reifezeit im Fass benannt.

Nase: Rauch, Lagerfeuer, Seeluft, wenn man die Nase etwas weiter weg hält, riecht man auch etwas Frucht, vielleicht Zitrone und Orange, auf jeden Fall eher helle Früchte

Mund: weniger kräftig als man von der Nase erwartet, trotzdem intensiver Räucherspeck, aber auch dunkle Schokolade, eine Menge Eiche, Würzigkeit, Pfeffer, mit dem zweiten Schluck wird es süßer

Abgang: mittellang, der Mund bleibt extrem trocken zurück, hier schlagen die zehn Jahre im Eichenfass zu

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Ardbeg Uigeadail

Alkohol: 54,2 Prozent
Fasstyp: Ex-Bourbon, Ex-Sherry
Preis: ca. 60 Euro
Die Abfüllung ist benannt nach einem See auf Islay, dem Loch Uigeadail, aus dem Ardbeg das Wasser für die Whisky-Produktion bezieht.

Nase: viel sanfter in der Nase als der Ten, deutlich süßer, auch wenn der Rauch natürlich dominiert, Tabak, Vanille, aber auch sehr erdig

Mund: der Alkohol ist leicht spürbar, aber toll eingebunden, überhaupt nicht störend, der Unterschied zum Ten ist nicht mehr so deutlich wie in der Nase, dunkle Schokolade, Espresso, helle Früchte wie Trauben, Orangen und Mandarinen, etwas Zitrone, über allem schwebt der Rauch

Abgang: das Finish ist etwas länger als beim Ten, aber weniger Würzigkeit, der Mund ist weniger trocken, dafür etwas salziger und pfeffriger

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Ardbeg Corryvreckan

Alkohol: 57,1 Prozent
Fasstyp: Ex-Bourbon, Ex-Burgunder
Preis: ca. 65 Euro
Die Abfüllung ist benannt nach dem größten Meeresstrudel Europas vor der schottischen Küste.

Nase: Lagerfeuer und Meeresbrise weichen hier etwas stärker vor den Aromen von dunklen Früchten wie Rosinen, Pflaumen, Datteln und Bratapfel zurück, aber auch Aprikosen und Pfirsich sind dabei, die Nase ist schon komplexer als bei den beiden anderen

Mund: der Alkohol macht sich etwas stärker bemerkbar, ist aber nicht störend, der Corryvreckan lässt sich gut unverdünnt trinken, im Geschmack ist er doch noch mal lieblicher als der Uigeadail, die Schokoladennote geht weg vom zartbitter hin zu Vollmilch, dazu wieder dunkle Früchte und ein Hauch Cappuccino

Abgang: mittellang, deutlich weniger würzig und trocken, dafür süß und aromatisch

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Ardbeg An Oa

Alkohol: 46,6 Prozent
Fasstyp: Ex-Bourbon, Ex-Sherry, frische Eiche
Preis: ca. 50 Euro
Die Abfüllung ist benannt nach der Mull of Oa, einer Halbinsel im Südwesten von Islay.

Nase: der An Oa hat am wenigsten Rauch und Speck, dafür nochmal etwas mehr Frucht, ich rieche einen ganzen Fruchtsalat mit hellen und dunklen Früchten, eine Mischung aus Traube, Kirsche, Ananas und Apfel

Mund: viel fruchtiger und süßer als die anderen Abfüllungen, weniger Meer und Salz, dafür vor allem Orange, aber auch Tabak und Kaffee sind noch da, Süße und Würzigkeit halten sich die Waage

Abgang: mittellang, es bleiben Orange, Mandarine, aber auch Lakritz zurück, das Gefühl im Mund ist deutlich weniger würzig und kaum trocken, dafür süß und samtig

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Fazit

Bis jetzt war der Corryvreckan mein Favorit unter den Ardbges, weil er echt Power hat, aber Rauch und Alkohol nicht einfach wild durch die Gegend feuern. Beides ist hervorragend miteinander kombiniert, auch unverdünnt ist er gut trinkbar. Daran hat sich nichts geändert.

Doch nach diesem Tasting ist der An Oa mein neuer Ardbeg-Liebling – wenn auch mit einem sehr knappen Vorsprung. Der Mittelweg aus Rauch und Süße, den der Hersteller hier gefunden hat, ist für meinen Geschmack perfekt. Hier bekommt man beides geliefert: den Islay-typischen Torf, aber auch eine gute Portion Sherry und Frucht. Er behält eindeutig seine Identität als Ardbeg, aber liefert noch einen Touch, der in wirklich von den anderen abhebt. Der An Oa erweitert das Standardsortiment tatsächlich um eine neue Komponente. Einziger kleiner Kritikpunkt – gerade im Vergleich zu den beiden stark abgefüllten Geschwistern: Ein bis zwei Volumenprozentpunkte mehr würden im ganz gut zu Gesicht stehen.

Den Ardbeg Uigeadail ist dem Corryvreckan nahezu ebenbürtig. Er ist etwas weniger komplex, weil der Rauch stärker dominiert, aber die Sherry-Fässer setzen einen kleinen Kontrapunkt – und damit gibt es deutlich mehr Komplexität als beim Ardbeg Ten. Der letztgenannte wiederum demonstriert das ursprüngliche und „unverfälschte“ Aroma der Islay-Brennerei: ordentlich Rauch, aber trotzdem ein Touch Lieblichkeit. Von zu wenig geschmacklichen Tiefgang kann man auch hier keineswegs sprechen. Wer Ardbeg nicht kennt, aber gerne kennen lernen möchte, greift zum Ten – und wird nicht enttäuscht.

Ich danke Frank alias dramsmile aus dem Forum auf whisky.de recht herzlich für die Ardbeg-Samples!

Ein Kommentar

  1. Moin Moin,
    ich empfinde das etwas anders. Außer dem Ten würde ich zu allen 3 Wasser empfehlen, ca so viel, um auf gute 40% Alk zu kommen. Im Bes. die Beiden > 50%igen entfalten so erst ihren Geschmack. Der An Oa ist mit einem Tropfen H2O meinerseits im Abgang erst in richtiger geschmacklicher Reihenfolge, also erst Rauch und dann die feinen Nuancen, die sich entwickeln (leider geht dann etwas vom Jod abhanden, das eigentlich nur bei diesem Ardbeg akzentuiert ist). An Oa pur getrunken, legt nach wenigen Minuten den Rauchgeschmack auf den Gaumen, was meiner Meinung eine störende Dissonanz zu den sich jetzt entfaltenden Aromen ergibt, Gleiches gillt für den Uige.

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