The Barreliers: Bloß keine Angst vor jungem Whisky

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The Barreliers

Aus dem Hobby ein Beruf machen? Das geht auch in der Whisky-Branche, wie Alex (links im Bild) und Chris Hayn beweisen. Die Brüder aus Berlin haben vor anderthalb Jahren das Unternehmen The Barreliers gegründet und verkaufen seitdem als unabhängige Abfüller ihre eigenen Whisky-Flaschen. Chris nahm sich viel Zeit und beantwortete am Telefon meine Fragen.

Im Interview erfahrt ihr unter anderem, wie The Barreliers im heiß umkämpften Whisky-Markt bestehen wollen, warum das Alter beim Whisky eben nicht so wichtig ist und wieso Finishes nicht immer eine gute Idee sind. Übrigens: Barreliers ist ein Kunstwort, das aus Barrel (Fass) und Somelier zusammengesetzt ist.

Meine Verkostungsnotizen zur aktuellen Abfüllung von The Barreliers findet ihr unter dem Interview.

Interview mit Chris Hayn von The Barreliers

Wie seid ihr überhaupt auf die Idee gekommen, Whisky zu verkaufen? Es muss ja mehr dahinter stecken als einfach nur gerne Whisky zu trinken, oder?

Die Idee, ein Unternehmen zu gründen, kam mir und meinem Bruder im Spätsommer 2016 im Biergarten. Bei der Idee ist es dann aber erst mal geblieben. Erst später haben wir uns gedacht, was mit Whisky zu machen, weil wir eben begeisterte Whisky-Trinker sind und weil es immer gut ist, ein Unternehmen aufzubauen, das einem Spaß macht.

Dann ging es los damit, den Markt zu sondieren und zu überlegen, wie der Name der Firma lauten soll, wie die Logos aussehen könnten, wo man überhaupt Whisky herbekommt, wie man ihn nach Deutschland importiert und so weiter. Am 5. Januar 2017 haben wir mit der Unterschrift beim Notar The Barreliers gegründet. Seitdem sind wir am Start (zur Webseite http://www.thebarreliers.de).

Vorher hattet ihr mit der Spirituosenbranche aber nichts zu tun? Hauptberuflich macht ihr was anderes?

Das stimmt. Wir haben Jobs in ganz anderen Branchen, die wir auch weiterhin machen. The Barreliers ist jetzt als Startup unser Nebenerwerb. Vorher hatten wir mit der Spirituosenbranche gar nichts zu tun und als Quereinsteiger war es auch gar nicht so einfach. Es fehlen Kontakte, es kennt einen niemand. Das macht die Sache nicht ganz so einfach.

Apropos Quereinsteiger: Der Whisky-Markt ist ein sehr umkämpfter Markt. Wo seht ihr eure Nische? Wie wollt ihr euch behaupten als unabhängiger Abfüller?

Die Branche ist tatsächlich sehr heiß umkämpft. Es gibt ja nicht nur die traditionellen unabhängigen Abfüller aus Schottland oder anderswo, sondern auch immer mehr Händler, die eigene Abfüllungen auf den Markt bringen. Wir gehen an die Sache einfach so ran, dass wir nur Whisky abfüllen, der uns persönlich schmeckt. Dafür wollen wir die Leute begeistern.

Und dafür nutzen wir Social Media, wo wir besonders stark vertreten sind – also Facebook, Instagram und YouTube. Wir haben jetzt seit Kurzem auch einen eigenen Podcast. Das kommt uns natürlich sehr entgegen, weil mit den modernen Marketingwerkzeugen auch ohne großes Geld viel möglich ist. Unser Budget für Werbung ist nämlich relativ überschaubar, weil wir The Barreliers komplett aus eigener Tasche finanzieren. Es gibt keine Unterstützung von Familie, Freunde, Banken, Investoren und dergleichen.

Außerdem bieten die sozialen Netzwerke viel bessere Möglichkeiten, mit dem Kunden in Kontakt zu treten. Es ist viel direkter, ein beidseitiger Dialog. Mit einer Anzeige in der Zeitung oder im Radio hast du das nicht, hier fehlt das konkrete Feedback.

Wie läuft das mit der Fassauswahl? Seid ihr oft in Schottland unterwegs oder könnt ihr alles von Berlin aus machen?

Die Fassauswahl steuern wir komplett aus Berlin. Von Zwischenhändlern aus Schottland bekommen wir Listen mit verfügbaren Fässern. Die gehen wir durch und wählen Fässer aus, die erst mal interessant klingen. Das ist natürlich auch eine Budget-Frage. Ein Fass Laphroaig 25 im Gegenwert von einem Kleinwagen hat keine Chance.

Dann lassen wir uns von den ausgewählten Fässern Samples zukommen, was schon mal ein paar Tage dauern kann – die Schotten gehen an die Sache eher etwas gemütlich ran. Dann setzen wir uns hin, verkosten und sagen nach zehn, zwanzig, dreißig Samples: Genau das ist es! Mit ein bisschen Glück ist das Fass dann noch vorrätig.

An anderer Stelle habe ich gelesen, dass du und dein Bruder Fass-Finishes sehr kritisch gegenübersteht. Warum?

Finishes haben natürlich ihre Berechtigung und werden oft sinnvoll eingesetzt. Aber häufig versuchen Brennereien oder Abfüller mit einem Finish einen schlechten Whisky zu retten. Das sehen wir kritisch. Ein Fass, das schon nicht besonders gut ist, wird durch ein Finish nicht viel besser – das Gegenteil kann sogar passieren. Man kaschiert vielleicht die eine oder andere Fehlnote und bekommt vielleicht noch mal etwas mehr Farbe, wenn es beispielsweise ein Finish in einem nassen Sherry-Fass war. Aber am Ende bleibt es höchsten ein mittelmäßiger Whisky.

Aber wie gesagt: Wir haben gar nichts gegen Finishes per se. Aber wenn man das nur macht, um am Ende etwas zu berichtigen, was von Anfang nicht ordentlich gelaufen ist, dann sehen wir das kritisch.

„Je älter, desto besser“ ist eine Einstellung, die bei vielen Leuten noch fest im Kopf verankert ist. Macht ihr euch keine Sorgen, dass die Leute zu anderen Flaschen greifen, weil eure aktuelle Abfüllung „nur“ sechs Jahre alt ist?

Klar ist der Gedanke, dass es vor allem aufs Alter ankommt, immer noch sehr im Mainstream drin, weil die Branche es den Kunden jahrzehntelang eingetrichtert hat. Für uns sehe ich darin aber einfach eine gute Chance, mit Vorurteilen aufzuräumen. Wir wollen zeigen, dass junge Single Malts sehr gut schmecken können. Ich hatte schon Single Malts mit 25 oder 30 Jahren im Glas, die nicht besonders gut waren.

In der Branche findet aber auch langsam ein Umdenken statt. Das sieht man an den vielen neuen Abfüllungen ohne Altersangabe, aber vor allem an den Abfüllungen mit niedrigen Jahreszahlen auf dem Label, die immer öfter auf den Markt kommen. Ich finde das gut und mutig, wenn es zumindest einige Brennereien gibt – wie zum Beispiel Benromach mit dem 5-Jährigen – die sich bewusst dagegen stellen und sagen: Auch junger Whisky kann richtig gut sein.

Eure aktuelle Abfüllung ist ja ein gutes Beispiel dafür.

Genau! Ich finde es immer wieder schön, wenn Leute erkennen, dass ein Single Malt auch mit sechs Jahren schon so schmecken kann. Der kann natürlich noch nicht so komplex sein, wie ein 25-Jähriger. Aber man muss klar sagen: Ältere Fässer wachsen auch in Schottland nicht einfach an den Bäumen. Die Auswahl ist begrenzt – und natürlich teuer.

Wenn ihr heute noch mal anfangen würdet mit The Barreliers: Was würdet ihr genau so machen, was würdet ihr anders machen?

Klar ist, dass wir es auf jeden Fall noch mal machen würden, auch wenn es ein großer Schritt war. Ich weiß gar nicht, ob wir so viel anders machen würden.

Aber gab es beispielsweise irgendwelche Dinge, mit denen ihr nicht gerechnet habt, in die ihr unvorbereitet hineingeraten seid?

Was das Gründen an solches angeht natürlich schon. Es ist einfach viel Bürokratie. Es ist nicht mit einer Unterschrift getan, sondern man muss zum Gewerbeamt, man muss sich mit dem Zoll verständigen, dann noch diese und jene Behörde. Es ist aber eher ein Learning by Doing.

Schwirrt im Hinterkopf der Gedanke, das irgendwann mal hauptberuflich zu machen?

Aktuell ist das ehrlich gesagt noch gar kein Thema. Aber es gibt natürlich die Ambitionen, das Ganze auf ein Level zu heben, wo man zumindest die Möglichkeit hätte. Es ist ja kein Hobby, sondern eine ernsthafte Unternehmung, mit der wir Geld verdienen wollen. Ansonsten wäre es auch ein sehr teures Hobby.

Bleiben wir mal in der näheren Zukunft: Was sind eure Pläne für das restliche Jahr 2018?

Wir wollen natürlich noch bekannter werden und uns unter den unabhängigen Abfüllern dauerhaft etablieren. Dafür werden wir auch weiterhin stark auf Facebook, Instagram und unseren Podcast setzen. Wir haben zwar Anfang Mai zum ersten Mal auf einer Messe ausgestellt und sehr gutes Feedback erhalten, allerdings werden wir wohl frühestens nächstes Jahr verstärkt als Aussteller auf Messen unterwegs sein. Zudem wollen wir schrittweise unser Portfolio erweitern und mehr Abfüllungen auf den Markt bringen. Man wird sehen, wie viel sich dieses Jahr noch umsetzen lässt, aber für uns ist das Ganze sowieso eher ein Marathon und kein Sprint.

Tasting: The Barreliers Miltonduff 6 Jahre 2011/2017

Die aktuelle Abfüllung von The Barreliers stammt aus der Speyside-Brennerei Miltonduff. Es handelt sich um eine 6-jährige Einzelfassabfüllung in Fassstärke – ordentliche 62,1 Prozent Alkohol hat der Whisky. Er reifte zwischen Mai 2011 und Dezember 2017 in einem First-Fill-Bourbon-Fass, also in einem Fass, in dem zuvor nur Bourbon gelagert wurde. Er wird weder nachgefärbt noch kühlgefiltert. Der Miltonduff ist also ein einfacher Whisky, ziemlich geradeaus, ohne exotische Finishes oder sonstigen Hokuspokus – so abgefüllt wie er aus dem Fass kommt. Das finde ich schon vor der Verkostung sehr sympathisch. Trotzdem hab ich ihn natürlich probiert:

The Barreliers Miltonduff 6 Jahre

Farbe: Wie von einem derart jungen und ungefärbten Whisky zu erwarten ist, schimmert er blassgold und strohig im Glas.

Geruch: Der Miltonduff verströmt ein kräftiges Aroma von knackigen roten Äpfeln, Mandarine und Orange – ein ziemlicher Obstsalat. Dazu kommen Vanille, Karamellbonbons und sogar etwas Fencheltee kann ich riechen. Letzteres passt irgendwie nicht in die Reihe, aber es macht die Nase sehr interessant. Der hohe Alkoholgehalt macht sich schon bemerkbar, aber bei über 60 Prozent ist das kein Wunder.

Geschmack: Der Alkohol ist auch beim ersten Schluck sehr deutlich, beim zweiten geht es dann schon besser. Der Geschmack ist frisch und zitruslastig. Limetten, Mandarinen und Ananas sind dabei, aber ich schmecke auch etwas gedecktere Töne von Birne und Banane. Das ist wieder der Obstsalat – wieder mit Vanille und diesmal noch mit Honig und Anis. Insgesamt ist der Miltonduff auf der Zunge sehr fruchtig und dezent süß.

Abgang: Den Nachklang würde ich als mittellang bezeichnen. Die Fruchtigkeit weicht einer Schärfe von Pfeffer und Menthol. Am Ende bleibt ein trockenes Gefühl am Gaumen. Machen sich hier die sechs Jahre im First-Fill-Fass bemwerkbar?

Fazit: Der Miltonduff von The Barreliers ist eine Abfüllung mit sehr kräftigen Aromen. Ich kann deutlich die Fruchtigkeit und leichte Süße eines typischen Speyside-Whiskys riechen und schmecken. Wegen seiner Jugendlichkeit hat er aber noch ordentlich Ecken und Kanten – find ich super, fast schon erfrischend. Ich empfehle allerdings ein paar Tropfen Wasser ins Glas zu geben – gerne auch ein paar mehr. Das nimmt dem Whisky etwas die Schärfe und sorgt für noch mehr Frucht.

Ich danke Chris von The Barreliers für das Interview und für die Zusendungen eines kostenfreien Samples der aktuellen Abfüllung. Einfluss auf den Inhalt meiner Berichterstattung hat The Barreliers nicht genommen.

2 Kommentare

  1. Spannend hier von diesem Projekt zu lesen. Der Mut der beiden Gründer ist zu bewundern! Ich denke es ist sicher alles andere als einfach, sich als unabhängiger Abfüller bei Null startend eine eigene Fanbasis aufzubauen, die dann natürlich auch auf eine gleichbleibende Qualität und vielleicht sogar einen bestimmten Stil vertraut.

    Mit dem Alter des Whiskys würde ich aber widersprechen: Es gibt doch viel mehr gute alte Whiskys als schlechte. Und demgegenüber auch allerhand zweifelhafte NAS-Abfüllungen, bei denen junge Malts vor allem aus wirtschaftlichen Gründen abgefüllt werden, denen ein paar Jahre mehr im Holzfass nicht geschadet hätten. Die Altersangabe von 6 Jahren bei den Barreliers ist aber angenehm ehrlich – kein Phantasiename auf der Flasche, sondern einfach gesagt was drin ist. Bin gespannt, wie es bei den Jungs weitergeht!

    Viele Grüße
    Lukas vom Malt Whisky Magazin

    1. Hi Lukas,

      danke für dein Feedback. Was das Alter angeht, hat Chris ja lediglich ausdrücken wollen, dass man nicht pauschal sagen kann „alt = gut“. Dass es mehr alte gute als junge gute Abfüllungen gibt und dass es auch viele eher zweifelhafte NAS-Abfüllungen gibt, da stimme ich dir sofort und komplett zu. Aber genau so gibt es eben auch gute junge, die besser sind als einige alte Abfüllungen sowie gute NAS, die besser sind als einige mit Altersangabe.

      Ich bin auch schon sehr gespannt auf die nächste Abfüllung von The Barreliers :-)

      Schöne Grüße,
      Chris von Schnaps.Blog

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