Terralta Tequila: Im Kampf gegen Salz-Zitronen-Saufgelage und Brummschädel

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Terralta Tequila

Tequila hat ein gewaltiges Image-Problem – immer noch. Aber Abfüllungen wie die von Terralta beweisen ganz klar: Tequila ist eine Spirituose, die es einfach nicht verdient hat, dass man sie auf ex runterkippt und mit Salz und Zitrone vergessen macht.

Guter Tequila spielt für mich in einer Liga mit gutem Grappa. Beide gibt es in so fantastischer Qualität, dass man sich sehr lange an einem Glas aufhalten kann. Ein bisschen schwenken, immer wieder schnupper, kleine Schlückchen nehmen, langsam und mit Genuss trinken. Mit Grappa scheint das auch den meisten Menschen gut zu gelingen. Niemand bestellt einen Grappa im Restaurant und stürzt ihn ansatzlos runter. Niemand käme auf die Idee, vorher Salz zu lecken und hinterher in ein Stück Zitrone zu beißen. Das wäre auch völlig daneben.

So daneben ist das auch beim Tequila. Und trotzdem: Da kommt der Tequila-Shot – natürlich serviert mit Salzstreuer und Zitronenviertel – und schon ist das Glas wieder leer. „Bitte noch eine Runde, wir müssen ordentlich einen tanken. Und bitte noch mehr Zitronen, weil …“ Ja, warum eigentlich? Weil man es so macht?

Keine Ahnung, wo der Brauch herkommt. Ich könnte es mit ein bisschen Googlen bestimmt rausfinden. Vielleicht habe ich das schon mal und es wieder vergessen. Ich will es aber auch gar nicht (mehr) wissen. Das Problem bei der Sache: Setz den Leuten einen Tequila vor – ganz egal, ob billig (mit Fusel aufgefüllt) oder hochwertig (aus 100 Prozent Agave) – und sie verlangen gleich nach Salz und Zitrone. Es ist wie ein Automatismus. Als hätte man die Leute abgerichtet!

Tequila: Vom Säufer zum Genießer

Vielleicht liegt es auch bloß daran, dass ich mich intensiv mit der Materie beschäftige, aber ich glaube, dass ganz langsam (wirklich extrem langsam) ein kleines (wirklich sehr kleines) Umdenken stattfindet. Ich formuliere das so vorsichtig, weil Tequila landläufig so bombenfest mit Saufgelage, Schädelbrummen und Spritgeschmack assoziiert wird, dass es schwierig ist, das zu ändern. Bei Whisky hat es funktioniert, bei Rum ebenfalls – wenn auch in kleinerem Rahmen. Vielleicht auch bei Tequila?

Immer mehr hochwertige Agavenbrände schaffen es nach Deutschland. Der gemeine Supermarkt setzt zwar in der Regel immer noch auf rote Sombreros. Aber in gut sortierten Spirituosenabteilungen und natürlich im Online-Handel ist der Tequila, der mit viel Sorgfalt und Können sowie aus 100 Prozent Agave hergestellt wird, ohne Probleme zu finden. Ein Beispiel dafür: Terralta*.

Terralta: Der „kleine Tequila-Bruder“ vom G4

Der Tequila Terralta (terra alta = Hochland) kommt aus der familiengeführten Brennerei El Pandillo in der Stadt Jesús Maria im mexikanischen Bundesstaat Jalisco. Im gleichen Bundesstaat lieg übrigens die namensgebende Stadt Tequila. Hier schlägt also quasi das Herz der Tequila-Produktion. Und noch mal übrigens: Aus der gleichen Destille, die Felipe Camarena und seinen Söhnen betreiben, kommt auch der G4, ein Tequila der aktuell durch die Decke geht. Vor allem in den USA, dem mit weitem Abstand größten Tequila-Absatzmarkt der Welt, verkauft sich der G4 Tequila* derzeit wie geschnitten Brot.

Der große Unterschied zwischen G4 und Terralta ist das verwendete Wasser. Während beim G4 Regen- und Quellwasser zu je 50 Prozent eingesetzt werden, sind es beim Terralta 100 Prozent Quellwasser aus einem 140 Meter tiefen Brunnen. Dieses Wasser ist sehr erdig und mineralisch, was dem Tequila ein entsprechendes Aroma verleiht.

Bei El Pandillo wird Tequila noch sehr traditionell hergestellt. Zwar kommt moderne Technik zum Einsatz, aber lieblos gepanschte Massenware gibt es hier nicht. Außerdem setzen Camarena und Familie aufs Selbermachen. Alles fängt mit den selbst angebauten Bio-Agaven an. Weiter geht es mit den Herzen der Agaven – den Piñas – im selbst gebauten Steinofen, wo sie 22 Stunden lang gekocht werden. Danach kommt „Felipenstein“ zum Einsatz, eine aus alten Metallteilen selbst zusammengebaute Walze, die acht Tonnen wiegt und die gekochten Piñas gleichmäßig, aber sanft zerquetscht. Die Fasern der Agaven sollen dabei nicht brechen, damit kein bitterer Geschmack entsteht. Die Fermentation in Edelstahltanks übernimmt wilde Hefe, keine gezüchtete Kulturhefe. Und die zweifache Destillation findet schließlich in Kupferbrennblasen statt. Alles in allem dauert die Herstellung einer Charge rund eine Woche. Brennereien, die auf Masse ausgelegt sind, brauchen dafür keine 24 Stunden. Aber in der Spirituosenherstellung gilt tatsächlich die Faustregel: langsamer = besser.

4 x Terralta: Tequila-Abfüllungen im Tasting

Markus Nikowitsch von der fifteenlions GmbH & Co. KG hat mir vier Flaschen des Terralta zur Verkostung zur Verfügung gestellt: Terralta Blanco, Terralta Reposado, Terralta Añejo und Terralta Extra Añejo.

Terralta Tequila Flaschen

Terralta Blanco*

Reifung: ungereift
Alkohol: 40 Prozent
Preis: ca. 45 Euro für 0,7 Liter

Nase: mineralisch-erdige Agavenaromen, sehr grasig, leicht rostig mit einem Hauch von Sommerregen /// Mund: Birne, Löffelbiskuits und tatsächlich ein Touch von grünen Bohnen, sehr erfrischend und klar

Terralta Reposado*

Reifung: drei Monate im Eichenfass
Alkohol: 40 Prozent
Preis: ca. 55 Euro für 0,7 Liter

Nase: etwas zurückhaltender als der Blanco, sanftere Noten von Banane und Rooibos-Vanille-Tee /// Mund: dunkler und tiefer als der Blanco, aber auch süßer, Vanille, Butterkeks und Honig

Terralta Añejo*

Reifung: ein Jahr im Eichenfass
Alkohol: 40 Prozent
Preis: ca. 70 Euro für 0,7 Liter

Nase: wieder etwas mineralischer und kräftiger als der Reposado, größere Ähnlichkeit zum Blanco, dazu Orangen und Limetten /// Mund: frisches Gebäck, Sahnebonbons und dunkle Schokolade

Terralta Extra Añejo*

Reifung: vier Jahre im Eichenfass
Alkohol: 40 Prozent
Preis: ca. 90 Euro für 0,7 Liter

Nase: deutlich erdige Agavennote, dazu Minze und frisch gebackenes Brot /// Mund: sehr weich und sanft, viel Karamell, aber auch etwas Holz durch die lange Lagerung im Fass

TTT: Toller Tequila Terralta

Wer je einen Terralta probiert hat, weiß: Das trinkt man nicht mit Salz und Zitrone auf ex zwischen Tür und Angel. Das trinkt man in Ruhe. Bei Zimmertemperatur. Pur. In einem schönen Nosing-Glas. Dafür lässt man sich Zeit. Diese Tequila-Abfüllungen haben überhaupt keine Schärfe, da brennt nix, die gehen ganz sanft runter. Und sie haben ein komplexes Aroma mit vielen Nuancen.

Ich möchte echt nicht zu viel Werbung machen – zumal ich die vier Flaschen (s. Foto ganz oben) gratis erhalten habe. Aber ich kann ohne schlechtes Gewissen sagen, dass das einfach saugute Tequilas sind.

Am besten gefallen hat mir persönlich übrigens der Blanco. Der ist ursprünglich und kräftig. Ein guter Tequila braucht eigentlich keine Fassreifung, aber schlechter wird er dadurch auch nicht. Die gereiften Versionen sind ebenfalls absolut zu empfehlen.

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Wichtiger Hinweis: Das Produkt wurde mir vom Hersteller/Anbieter/Importeuer kostenlos zur Verfügung gestellt. Einfluss auf den Inhalt meines Videos hat dieser jedoch nicht genommen.

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