St. Kilian – Fass Nr. 1: Erste fünfjährige Abfüllung ist Beginn eines spannenden Whisky-Experiments

Veröffentlicht von
St. Kilian – Fass Nr. 1
Im mittleren Glas ist der „Fass Nr. 1“ drin.

Das erinnert doch stark an den Ansturm auf die limitierten Whisky-Sonderausgaben diverser Islay-Brennereien: Nach fünf Minuten war die St.-Kilian-Abfüllung „Fass Nr. 1“ ausverkauft. In der Regel spare ich es mir, über Abfüllungen zu schreiben, die nicht mehr erhältlich sind. Aber in diesem Fall gibt es einen guten Grund, es trotzdem zu tun.

Am Samstagabend (24. April 2021) hatte die fränkische Whisky-Brennerei St. Kilian mal wieder zu einem Online-Tasting eingeladen. Nachdem die letzte Veranstaltung dieser Art mit über 300 Leuten schon ziemlich gut besucht war, hatten sich diesmal sogar rund 800 Teilnehmer angemeldet. Im Zoom-Meeting waren es letztlich etwas mehr als 500 – eine beachtliche Hausnummer.

St. Patrick’s Day 2016: Der First Cut kommt ins Fass

Master Distiller Mario Rudolf und Vertriebsleiter Thorsten Manus führten durch die Verkostung von sieben hauseigenen Abfüllungen. An dritter Stelle das Highlight: Fass Nr. 1. Der Name ist Programm. Denn dabei soll es sich tatsächlich um das allererste Fass handeln, dass in der Brennerei in Rüdenau befüllt wurde. Das war am 17. März 2016 (St. Patrick’s Day) der Fall, nachdem die Pot Stills das erste Mal einen New Make – übrigens nach milder, nicht-torfiger Rezeptur – produziert hatten. Das war der so genannte „First Cut“. Mit fünf Jahren Reifezeit ist dieser Whisky der bisher älteste von St. Kilian.

Bei dem Fass handelt es sich um eine Sonderanfertigung der Küferei Wilhelm Eder aus Bad Dürkheim, die dafür europäische Eiche aus dem Waldgebiet Johanniskreuz im Pfälzerwald verwendet hat. Das Volumen: gewaltige 700 Liter. Das ist übrigens die Obergrenze, die für die Reifung von Whisky gesetzlich erlaubt ist. Von innen wurde es leicht getoastet, eine Vorbelegung gab es nicht. Frische Eiche also.

Fünf Jahre reichen: Was soll aus dem Whisky noch werden?

Für Mario Rudolf – das merkte man während des Tastings – war die Angelegenheit eine emotionale. Immerhin ist er seit Anfang an dabei und es ist nun mal das erste Fass, das bei St. Kilian je befüllt wurde. Eigentlich wollte man dieses Fass Nr. 1 gar nicht anfassen, aber nach jetzt fünf Jahren war man doch der Meinung: Der ist reif zum Pflücken, der muss raus aus dem Holz. „Was soll daraus noch werden?“ fragte Mario Rudolf. „Den Whisky mögen wir jetzt so, wie er ist. Das ist ein komplexes Teil, das muss nicht noch komplexer werden.“ Und Thorsten Manus ergänzte: „Wir wissen ja gar nicht, was passiert wäre. Es hätte ja auch zu einer Überreifung kommen können.“

Das Online-Tasting mit Mario Rudolf und Thorsten Manus (v.l.).

Ausverkauft: Ein Grund, an die Decke zu gehen?

Also wurden 760 Flaschen à 0,5 Liter mit 58,7 Prozent Alkohol abgefüllt und für je 60 Euro verkauft – und dieser Bestand war in wenigen Augenblicken ausverkauft. Gegen Ende des Tastings wurde die Flasche im Shop von St. Kilian freigeschaltet, fünf Minuten später waren sie weg. Das sorgte – ebenfalls noch während des Tastings – für Unmut bei einigen Teilnehmern, die leer ausgegangen waren.

Ja, vielleicht hätte man das Ganze auf eine Flasche pro Bestellung limitieren sollen (tatsächlich gab es ein Limit von drei Flaschen). Und ja, vielleicht hätte man den Verkaufsstart auf einen anderen Zeitpunkt legen und vorher per Newsletter, Facebook etc. darüber informieren können, um allen Interessierten – auch außerhalb des Tastings – die gleiche Chance zu geben. Ich kann die Enttäuschung verstehen, wenn man ein Fan der Destillerie ist und gerne eine Flasche gehabt hätte.

Es ist aber sicher kein Grund, sich im Zoom-Chat im Ton zu vergreifen und Zeter und Mordio zu schreien. Genau so ist es passiert. Und wenn man gleich mit der Auflösung seiner mit viel Geld, Zeit und Leidenschaft aufgebauten St.-Kilian-Sammlung droht, nur weil man keine Flasche abbekommen hat (wie eben auf Facebook jemand schrieb), finde ich das einfach nur noch albern. Doch es spiegelt wohl irgendwie den aktuellen Zeitgeist wieder: Wegen Nichtigkeiten an die Decke gehen, ausfallend werden und am liebsten gleich einen Shitstorm anzetteln. Wenn man bequem zu Hause vor dem Rechner sitzt, geht das ja besonders leicht von der Hand. Aber das ist ein anderes Thema, zurück zu Fass Nr. 1.

Nr. 1 lebt: Der Grund für diesen Artikel

Wer kurz rechnet, merkt: 760 Flaschen sind nicht das ganze Fass. Und das ist auch der Grund, warum ich überhaupt über diesen Whisky schreibe. Denn abzüglich des Angel’s Share, der hier bei fünf Prozent lag, hat St. Kilian etwa 30 Prozent im Fass gelassen. Die Idee: Eine Art Ein-Fass-Solera. Das Fass wird nun mit New Make der gleichen Rezeptur aufgefüllt und man lässt diese Mischung wieder fünf Jahre reifen. Dann wird wieder alles bis auf 30 Prozent abgefüllt, wieder aufgefüllt und wieder fünf Jahre gewartet. Und so weiter. „Damit lebt ein kleines bisschen des allerersten Whiskys immer weiter“, sagte Mario Rudolf. Wir kennen diese Art der Solera-Reifung von Sherry und Rum, nur dass es dort komplexer und mit mehreren Fässern läuft. Aber so wird es also regelmäßig eine St.-Kilian-Abfüllung mit der Bezeichnung „Fass Nr. 1“ geben. Batch 1 ist ausverkauft, das stimmt. Aber Batch 2 folgt in fünf Jahren.

Mein Tasting: So riecht und schmeckt St. Kilian Fass Nr. 1

Die Farbe ist schon mal beeindruckend dunkel und kupferfarben für einen „nur“ Fünfjährigen. Das frische Holz vom Fass hatte – erwartungsgemäß – einiges abzugeben. Aber wie macht er sich in Nase und Mund?

Im ersten Augenblick erinnert mich der Geruch stark an Bourbon, die typischen Aromen von Vanille und Uhu sind dominant. Hier kommt wohl die frische, getoastete Eiche voll zum Zug. Später kommen Gebäck, Orange, Kamille und eine leichte Minznote dazu.

Im Mund macht er sich zuerst als Pfefferschärfe auf der Zungenspitze bemerkbar, dann ist der Geschmack sehr bitterschokoladig und cremig, fast schon likörartig – ohne wirklich süß zu sein.

Der Abgang erinnert mich an gedörrte Orangen und ein wenig Lakritze. Ganz am Ende ist die Nr. 1 trocken, dabei aber immer mild und gut trinkbar trotz der 58,7 Prozent.

Fazit: So kann es weitergehen

Intensiv und komplex ist Fass Nr. 1 von St. Kilian geworden. Offensichtlich waren der erste Durchlauf durch die Brennapparate und das große Fass aus frischer Eiche eine gelungene Kombination. Ich bin gespannt, wie sich der Inhalt des Living Cask über die nächsten Jahre entwickeln wird.

Ach übrigens: Wer keine Flasche von „Fass Nr. 1“ bekommen hat, aber gerne mal probieren möchte, kann sich per E-Mail bei mir melden. Ich konnte nämlich eine Flasche ergattern und teile sie gerne zum Selbstkostenpreis + Versand. Bitte schickt eine Mail an teilung@schnaps.blog. 10 cl behalte ich selber, es stehen als 8 x 5 cl zur Teilung bereit. Den ersten Acht, versuche ich noch am selben Tag zu antworten. Wer nach 24 Stunden noch keine Antwort von mir erhalten hat, ist bei der Teilung leider nicht dabei. Ich will damit nur verhindern, dass ich zig E-Mails beantworten muss. Und es gilt: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Also bitte hinterher keine Wutanfälle ;-)

Die beliebtesten Whiskys bei Amazon

14%
Dalwhinnie Highland Single Malt Scotch Whisky - 15 Jahre gereift - Aromen von Heidekraut und Honig - 1 x 0,7l
42,99 € (61,41 € / l)
34,90 € (49,86 € / l)
(Stand von: 03.08.2021 - 12:13 - Details)
Bei Amazon ansehen *
×
Produktpreise und -verfügbarkeit sind zum angegebenen Datum / Uhrzeit korrekt und können sich ändern. Alle Preis- und Verfügbarkeitsinformationen auf https://www.amazon.de/ zum Zeitpunkt des Kaufs gelten für den Kauf dieses Produkts.
7%
Lagavulin 16 Jahre Single Malt Scotch Whisky – Trockener und rauchiger Islay Whisky mit langem, torfigem Abgang – In traditioneller Geschenkbox – 1 x 0,7l
63,99 € (91,41 € / l)
59,45 € (84,93 € / l)
(Stand von: 03.08.2021 - 1:46 - Details)
Bei Amazon ansehen *
×
Produktpreise und -verfügbarkeit sind zum angegebenen Datum / Uhrzeit korrekt und können sich ändern. Alle Preis- und Verfügbarkeitsinformationen auf https://www.amazon.de/ zum Zeitpunkt des Kaufs gelten für den Kauf dieses Produkts.
11%
Talisker 10 Jahre Single Malt Scotch Whisky – Weicher, torfiger Whisky aus dem Norden Schottlands, 700ml
37,99 € (54,27 € / l)
33,72 € (48,17 € / l)
(Stand von: 03.08.2021 - 12:13 - Details)
Bei Amazon ansehen *
×
Produktpreise und -verfügbarkeit sind zum angegebenen Datum / Uhrzeit korrekt und können sich ändern. Alle Preis- und Verfügbarkeitsinformationen auf https://www.amazon.de/ zum Zeitpunkt des Kaufs gelten für den Kauf dieses Produkts.
13%
Aberfeldy Highland Single Malt Whisky 12 Jahre, 0.7l
39,99 € (57,13 € / l)
33,77 € (48,24 € / l)
(Stand von: 03.08.2021 - 12:13 - Details)
Bei Amazon ansehen *
×
Produktpreise und -verfügbarkeit sind zum angegebenen Datum / Uhrzeit korrekt und können sich ändern. Alle Preis- und Verfügbarkeitsinformationen auf https://www.amazon.de/ zum Zeitpunkt des Kaufs gelten für den Kauf dieses Produkts.
7%
Bunnahabhain 12 Jahre - Islay Single Malt Scotch Whisky (1 x 0.7 l)
42,99 € (61,41 € / l)
39,99 € (57,13 € / l)
(Stand von: 03.08.2021 - 12:13 - Details)
Bei Amazon ansehen *
×
Produktpreise und -verfügbarkeit sind zum angegebenen Datum / Uhrzeit korrekt und können sich ändern. Alle Preis- und Verfügbarkeitsinformationen auf https://www.amazon.de/ zum Zeitpunkt des Kaufs gelten für den Kauf dieses Produkts.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.