Rum Artesanal: Das komplette Kernsortiment im Tasting

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Tasting Rum Artesanal

Rum ist nicht gleich Rum! Das weiß jeder, der schon einmal Rum aus Jamaica, Kuba und Martinique getrunken hat: Die Aromen driften zum Teil weit auseinander, auch wenn sie allesamt auf Zuckerrohr basieren. Mit dem Tasting-Set von Rum Artesanal hatte ich kürzlich die Gelegenheit, Abfüllungen ganz unterschiedlicher Stile direkt nebeneinander zu verkosten.

Die Heinz Eggert Spirituosenmanufaktur aus dem niedersächsischen Bad Bevensen macht in allerlei Spirituosen – darunter auch in Rum. Unter dem Label „Rum Artesanal“ verkauft sie importierten und zum Teil weiterverarbeiteten Rum aus unterschiedlichen Regionen. Die meisten Abfüllungen kommen – es ist wenig überraschend – aus der Karibik. Aber nicht alle.

Rum aus der Karibik, aber nicht nur …

Dominik Marwede von eben jener Spirituosenmanufaktur hat mir freundlicherweise Sample-Flaschen des kompletten Kernsortiments zukommen lassen (neben den ständig verfügbaren Standard- gibt es noch Einzelfassabfüllungen). Es besteht aus sechs verschiedenen Rum-Sorten. Im Einzelnen sind das Abfüllungen aus Kuba, Jamaika, der Dominikanischen Republik, von den Französischen Antillen, aus Mittelamerika sowie ein Spiced Rum, also ein gewürzter und gesüßter Rum.

Beim Tasting habe ich mir erlaubt, einfach nur die erste Assoziation zu notieren, die mir beim Riechen und Schmecken einfällt. Kein langes Zerlegen von Kopfnoten und Tertiäraromen, sondern einfach nur notieren, woran mich der Rum im ersten Moment erinnert. Die Ergebnisse waren teils erstaunlich.

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Ron de República Cuba

Alkohol: 40% / Basis: Melasse / Preis: 17,50 Euro (0,5 l)

Dieser Rum kommt aus der kubanischen Brennerei Ron Cubay in Santo Domingo. Er wird aus Melasse hergestellt, reift fünf Jahre im Fass und kommt wie alle hier vorgestellten Rums mit 40 Prozent Alkohol in die Flasche – ohne Farbstoff, Zucker oder Filterung.

Mein Ersteindruck:
Geruch: Trockenpflaumen
Geschmack: Trockenpflaumen mit Kaffee

 

Rum of Jamaica

Alkohol: 40% / Basis: Melasse / Preis: 13,50 Euro (0,5 l)

Es handelt sich hier um einen Blend aus drei jamaikanischen Brennereien: Worthy Park, Hampden, Clarendon. Letzterer kommt ungereift dazu, die beiden anderen haben ein gewisses Alter, das aber unbekannt ist. Die Destillen stehen für High-Ester-Rum, also das typisch jamaikanische Aroma von Birnen und Bananen kombiniert mit Klebstoff und Benzin. Heinz Eggert setzt übrigens fünf Gramm Zucker pro Liter hinzu. Das soll dafür sorgen, dass der ungereifte Rum besser mit den beiden anderen harmoniert. Es geht hier nach eigenen Aussagen nicht um eine Verfälschung, sondern um einen gleichbleibenden Geschmack aller Chargen.

Mein Ersteindruck:
Geruch: Rosinen mit Marzipan
Geschmack: Christstollen

 

Ron de República Dominicana

Alkohol: 40% / Basis: Melasse / Preis: 17,50 Euro (0,5 l)

Oliver & Oliver liefert den Rum für diese Abfüllungen. Damit steckt auch ein Hauch Kuba in jeder Flasche, denn ursprünglich stand die familiengeführte Brennerei auf kubanischem Boden. Doch im Zuge des Unabhängigkeitskrieges musste sie schließen. Erst drei Generationen später kam es zur Wiedereröffnung – diesmal in Santo Domingo, der Hauptstadt der Dominikanischen Republik. Besonderheit: Dieser dominikanische Rum wird nach dem Solera-Verfahren hergestellt, was bezüglich des Alters keine exakte Aussage zulässt. Irgendwo zwischen acht und zehn Jahren soll der Rum liegen.

Mein Ersteindruck:
Geruch: Cola mit Limetten
Geschmack: Storck Riesen (Karamellbonbons mit dunkler Schoki)

 

Ron de Centroamérica

Alkohol: 40% / Basis: Melasse / Preis: 13,50 Euro (0,5 l)

Aus welcher Brennerei in Mittelamerika dieser Rum kommt, ist nicht bekannt. Sie erlaubt es unabhängigen Abfüllern nicht, den Namen zu verwenden. Der ist den eigenen Originalabfüllungen vorbehalten. Drei Jahre reift diese Abfüllung, bevor in Bad Bevensen aus verschiedenen Fässern ein Rum geschaffen wird, der in die Flasche kommt. Dabei setzt Heinz Eggert hier ebenfalls fünf Gramm Zucker pro Liter zu, um nach eigenen Aussagen die Schwankungen bei den einzelnen Fässern auszugleichen.

Mein Ersteindruck:
Geruch: überreife Kiwi
Geschmack: dunkler Aganvendicksaft

 

Rhum des Antilles Françaises

Alkohol: 40% / Basis: Zuckerrohrsaft und Melasse / Preis: 13,50 Euro (0,5 l)

Dieser Rum von den Französischen Antillen kommt zu 60 Prozent aus der Brennerei Bonne-Mère auf Guadeloupe und zu 40 Prozent aus der Brennerei Le Galion auf Martinique. Erstgenannter ist ein Rhum Agricole aus Zuckerrohrsaft, der ungereift ist. Für letztgenannten kommt auch Melasse zum Einsatz, außerdem reift er für mehrere Jahre im Fass.

Mein Ersteindruck:
Geruch: Kartoffelchips und Big-Mac-Sauce
Geschmack: Butterkeks mit Sellerie

 

Spiced Rum Byers‘ Island

Alkohol: 40% / Basis: Melasse / Preis: 13,50 Euro (0,5 l)

In einem Blend aus zehnjährigem mittelamerikanischem Rum und ungereiftem Rum aus Brasilien mazerieren die Leute von Heinz Eggert ausgewählte Kräuter und Gewürze für einige Wochen. Bevor das Mazerat fünf Jahre in Bourbon-Fässern reift, kommen noch 20 Gramm Zucker pro Liter hinzu. Süße und Würzigkeit bestimmen also das Aroma dieses Spiced Rums, dessen Namen auf der Bezeichnung einer Insel beruht, die der Seefahrer Benjamin Morrell im Jahr 1825 im Nordpazifik entdeckt haben will. Heute weiß man: Diese Insel hat nie existiert.

Mein Ersteindruck:
Geruch: Kellogg’s Smacks
Geschmack: Hustensaft

» Rum-Tasting: CDI New Yarmouth 13 Jahre – ein Jahr älter, ein Jahr besser?

Fazit: Einstieg in die Rum-Welt

Beim Rum Artesanal handelt es sich nicht um besonders komplexe Abfüllungen. Sie sind im Aroma recht mild, im Abgang relativ kurz und mit 40 Prozent Alkohol nicht besonders kräftig. Ich würde sie als klassische Einsteiger-Rums bezeichnen, die einen guten Eindruck von den verschiedenen Rum-Stilen vermitteln.

Mein Favorit ist der Rhum des Antilles Françaises, da er tatsächlich etwas Komplexität und sehr interessante Aromen liefert. Enttäuschend fand ich den Spiced Rum, aber für diese Spirituosenkategorie konnte ich mich bisher sowieso nicht erwärmen.

Ich danke der Heinz Eggert Spirituosenmanufaktur für die Besprechungsexemplare. Einen Einfluss auf den Inhalt des Artikels von Seiten des Sponsors gab es nicht. Ich gebe hier ausschließlich meine eigene Meinung wieder.

2 Kommentare

    1. Sinn und Zweck dieses Kommentar ist mir klar ;-) Aber ich muss widersprechen: Guten Rum kann man auch kennenlernen, ohne in die Karibik zu fliegen.

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