Johnnie Walker 1960er vs. 2019: Wie schmeckt der Red Label von damals?

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Johnnie Walker Red Label1960er vs. 2019

Ein Johnnie Walker Red Label aus den 60er-Jahren gegen einen Johnnie Walker Red Label von heute – so lautet hier das Whisky-Duell. Ich bin gespannt, wie sich alt gegen neu schlägt.

Ob der Johnnie Walker Red Label auch in den 60ern schon in jedem Kiosk und an jeder Tankstelle zu kaufen war? Keine Ahnung, kann aber gut sein. Denn er war damals schon der meistverkaufte Scotch der Welt. Damals wie heute war/ist der Red Label ein Blend mit einem geringen Anteil an Single Malt Whisky und einem großen Anteil an Grain Whisky. Letzterer wird ja gerne als billiger Industrie-Whisky bezeichnet, mit dem günstige Abfüllungen aufgefüllt werden, um den Preis niedrige zu halten. Allerdings: Es gibt auch sehr guten Grain Whisky – aber das nur am Rande.

Über eine Whisky-Facebook-Gruppe, in der ich Mitglied bin, habe ich mir ein 5-Zentiliter-Sample einer Red Label-Abfüllung aus den 60er-Jahren zukommen lassen. Dafür ein Dankeschön an René Tröger, der auch das Foto unten geschossen hat. Er vermutet, dass die Flasche aus dem Zeitraum zwischen 1962 und 1969 stammt. Zum Vergleich gab’s vom Kiosk eine aktuelle Abfüllung des Red Labels – ebenfalls in einer kleinen Flasche mit 5 cl.

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Johnnie Walker Red Label: Das ist drin … vielleicht

Johnnie Walker Red Label aus den 60er-Jahren
Foto: René Tröger

Was genau im Red Label drin ist? Das ist offiziell natürlich ein großes Betriebsgeheimnis. Hin und wieder gibt es mal ein paar halbseidene Hinweise und Spekulationen, dass Single Malts von Cragganmore, Glenkinchie, Lagavulin, Oban und Talisker, aber auch Caol Ila und Cardhu drin sein sollen. Das sind allesamt Brennereien, die zum Spirituosenkonzern Diageo gehören, Inhaber der Marke Johnnie Walker. Und da Diageo noch eine ganze Reihe von weiteren Whisky-Brennereien in Schottland besitzt, könnten auch diese zum Johnnie Walker beitragen. Ihr merkt also: Nichts Genaues weiß man nicht.

Und selbst wenn man genau wüsste, was aktuell im Red Label drin ist, bedeutet das zum einen nicht, dass das vor 60 Jahren auch schon so war. Zum anderen bedeutet es nicht, dass es morgen immer noch so sein wird. Brennereien schließen, neue machen auf. Der Whisky von Brennerei XY schmeckt heute nicht mehr so wie damals, deswegen nimmt man heute lieber den Whisky von YZ. Oder die Verantwortlichen entscheiden, dass die Fässer von der einen Brennereien diesmal besser als Single Malt verkauft werden und man lieber Fässer von der anderen Brennerei für den Blend hernimmt. Und so weiter!

Geschichte von Johnnie Walker

Die Geschichte von Johnnie Walker mit den auffällig eckigen Flaschen, dem einst von rechts und jetzt von links schreitenden Gentleman als Logo und dem schräg aufgebrachten Etikett als Wiedererkennungsmerkmal kaue ich hier jetzt nicht zum x-ten Mal wieder. Da verweise ich einfach auf den entsprechenden Artikel bei den Blogger-Kollegen von Whiskytasters.

Johnnie Walker-Tasting: Alt gegen neu

Johnnie Walker Red Label 60er-Jahre (ca. 43% Alkohol)
Geruch: sehr fruchtig und blumig, ein Hauch von Wein und tatsächlich Cognac, etwas Ahornsirup
Geschmack: süßlich nach Honig und Apfel, allerdings auch etwas flach und dünn
Abgang: leicht alkoholisches Brennen, Nachklang kurz und flüchtig

Johnnie Walker Red Label 2019 (40% Alkohol)
Geruch: rauchig mit Noten von Apfel und Birne, aber auch ein bisschen Gummireifen, generell flüchtig und wenig nachhaltig
Geschmack: Apfelsaft, Honig, Räucherspeck, Geschmack intensiver als Geruch
Abgang: leicht bitter, aber überwiegend mild, sehr kurz im Nachklang

Fazit: Red Label – woher kommt der Unterschied?

Der Unterschied ist deutlich, vor allem die Rauchigkeit bei der aktuellen und das leichte Cognac-Aroma bei der alten Abfüllung fallen im Direktvergleich auf. Ist die Frage, woran das liegt. Kamen in den 60er-Jahren einfach andere Zutaten – also andere Malt und Grain Whiskys – zum Einsatz? Hat sich der Inhalt der Flasche im Lauf der 60 Jahre stark verändert (Phenole verflüchtigt, Alkoholgehalt gesunken, irgendwelche chemische Reaktionen)? Ich weiß es nicht. Ich weiß auch nicht, welche Abfüllung ich favorisieren. Ich tendiere vielleicht etwas zum 60er-Johnnie, weil der 2019er-Johnnie doch etwas zu viel verbrannte Gummireifen mitbringt. Unterm Strich sind aber beide Abfüllungen eher für den anspruchslosen Trinker und als Zutat für Longdrinks gedacht.

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