Über Gin vom Dorf, Filterblasen voller Cocktail-Nerds und Sex am Strand

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Alexander Pilz hinter der Bar

Barkeeper in exklusiven Hotels, Barchef auf einem Kreuzfahrtschiff, Verkäufer von Cocktail-Boxen für daheim und jetzt auch noch Veranstalter exklusiver Spirituosen-Tastings – Alexander Pilz kennt die Bar- und Schnaps-Szene ganz genau. Mir stand er Rede und Antwort!

Seit 15 Jahren steht Alex jetzt schon hinter der Theke. Mal mixt er Drinks für Udo Lindenberg im Atlantic Hotel in Hamburg oder für Barflys in London und Edinburgh. Mal kümmert er sich als Barchef auf der MS Europa 2 um das Wohl der Gäste auf dem Luxusliner. Mit seinem Kompagnon Marc Albracht hat er nicht nur home-cocktails.de aufgezogen, ein Versand für Cocktail-Boxen, sondern auch Tins & Tales ins Leben gerufen. Dabei geht es um Gin-, Rum- und Whisky-Tastings. Im Interview verrät er unter anderem, was an seinen Tastings anders ist, warum der Gin-Hype uns noch weiter nerven wird und mit welchem Cocktail er auf einer einsamen Insel überlebt.

Gewinnspiel: Tickets für Gin-Tasting abstauben

Außerdem ganz wichtig: Alex hat mir zwei Tickets für ein Gin-Tasting am 25. April 2019 in Hamburg (Details dazu) zur Verfügung gestellt, die ich hier verlosen möchte. Die Tickets gehen als Set raus. Das heißt, der Gewinner bekommt beide Tickets und kann mit einer Begleitung zum Tasting. Zu zweit schmeckt’s bekanntlich besser. Was ihr tun müsst, um am Gewinnspiel teilzunehmen? Schreibt einfach hier unten in die Kommentare, warum und mit wem ihr gerne am Gin-Tasting teilnehmen möchtet.

Interview mit Alexander Pilz

1. Findet aktuell auch für den durchschnittlichen Konsumenten eine Renaissance der Barkultur mit klassischen Drinks, deren Neukreation und qualitativ hochwertigen Zutaten statt? Oder ist es nur eine Filterblase, in der Spirituosenhersteller, Bartender, Schnapsblogger und selbsternannte Feinschmecker leben? Was ist dein Eindruck als Bartender und Tasting-Gastgeber, der direkten Kontakt zum Endkunden hat.

Ich denke nicht, dass die Bar-Renaissance am durchschnittlichen Barbesucher vorübergeht. Das fängt schon damit an, dass viele meiner Freunde, die selbst ziemlich wenig mit der Bar zu tun haben, zu Hause eine größere Gin-Auswahl haben als die meisten Bars. Weiter geht es dann täglich bei der Arbeit in der Bar. Hier lernt jeder Barkeeper allabendlich Nerds kennen, die genau wissen, wie sie ihren Negroni oder Old Fashioned gerne mögen. Das sind echt nicht wenige. Da kann man sich schon stark wundern, was der Anwalt, die Programmiererin oder die Krankenschwester alles über unser Handwerk wissen.

Ein weiterer Punkt, an dem sich erahnen lässt, welche Bedeutung die Bar, all die klassischen und auch die innovativen neue Drinks für „normale“ Menschen haben, ist die extrem gewachsene Bar-Dichte in deutschen Städten. Gerade in den letzten zehn Jahren haben viele angesagte, ausgefeilte Bars ihre Türen geöffnet, die nicht einfach nur Gin Tonics und Pina Coladas servieren. Es gibt viele hochwertige Locations, die gerade wegen der coolen Drinks die Leute anziehen. Viele Barbesucher zahlen auch gerne zweistellige Summen für einen perfekt gemachten Cocktail. An der Masse von guten Bars und ihren zahlreichen Gästen lässt sich ablesen, dass das Thema in der breiten Masse angekommen ist.

Alex Pilz2. Mal ganz ehrlich: Mixt du saftig-sahnige 80er- und 90er-Jahre-Cocktails wie Sex on the Beach oder Swimming Pool auf Bestellung nur mit einem Zähneknirschen?

Tatsächlich ist es bei mir schon einige Jahre her, dass ein Gast so einen Drink bei mir bestellt hat. Es kommt dann auch auf die Situation an. Wenn ich als gebuchter Barkeeper auf einer Beach Party stehe, dann schnappe ich mir die Plastikblumenkette, schlüpfe in mein Hawaii-Hemd und mixe ohne zu meckern einen Sex on the Beach. Wenn ich in einer guten Hotelbar stehe und der Gast ganz bestimmt nach seiner Pina Colada fragt, soll er sie auch bekommen. Stehe ich aber hinter dem Tresen einer szenigen Bar, finde ich hier meistens gar nicht die Zutaten für einen Swimming Pool. In der Drip Bar auf St. Pauli zum Beispiel hatten wir die Cucumberlada auf der Karte. Das ist die perfekte Alternative für eine Pina Colada: Rum-dripped Gurke, Limette, Holunderblüte, Kokosnuss, Ananas und Soda.

3. Du wirst für sehr lange Zeit auf eine einsame Insel verbannt und darfst Zutaten für nur einen einzigen Cocktail mitnehmen – für welchen würdest du dich entscheiden?

Ich entscheide mich für einen Rob Roy Cocktail. Ich erinnere mich ziemlich regelmäßig, etwa jedes halbe Jahr, welchen Cocktail ich in der Vergangenheit oft bestellt habe. Meistens ist es ein Manhattan oder eben ein Rob Roy. Ich entscheide mich gerade deswegen für den Rob Roy und nicht für den Manhattan, weil ich im Purgenuss Scotch dem Rye Whiskey vorziehe. Wenn ich dann also auf der einsamen Insel lande, kann ich mir einen Rob Roy mixen. Ich kann den Scotch aber auch pur trinken, das gleiche kann ich mit dem Wermut machen. Und ganz wichtig: Gibt es auf der Insel kein Eis, kann ich den Rob Roy auch in der Umgebungstemperatur trinken. Das funktioniert nämlich ganz gut.

4. Gin, Gin und noch mehr Gin! Siehst du eine Chance, dass der Hype langsam mal ein Ende hat und durch was anderes ersetzt wird?

Ich merke schon seit einem Jahr, dass der Gin-Hype auch bei einigen unserer Gäste langsam abnimmt. Manchmal höre ich dann Aussagen wie „jetzt hat schon jedes Dorf seinen eigenen Gin, da blickt doch keiner mehr durch.“ Das kommt hier und da schon mal vor. Das gab es so vor zwei, drei Jahren noch nicht. Trotz alledem wird der Kult um die Wacholderspirituose noch ein paar Jahre anhalten. In den Großstädten wird das Phänomen schneller an Attraktivität verlieren. Auf dem Land wird der Gin & Tonic aber auch noch in vielen Jahren das Getränk der Wahl sein.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine andere Spirituose den Gin in seiner Beliebtheit ablösen wird. Ein ganz wichtiger Aspekt am Erfolg des Gins ist die Möglichkeit, ihn als Gin & Tonic trinken zu können. Ohne den Longdrink wäre der Gin nie so populär geworden. Wer trinkt seinen Gin schon pur? Deswegen müsste die ablösende Spirituose einen ähnlich beliebten Longdrink zur Seite haben. Aber da sehe ich nichts. Die Interessen werden sich aufteilen. Einige werden Rum, Aquavit oder Korn entdecken. Wieder andere verlegen sich in Zukunft vielleicht wieder auf Wein. Wer weiß? Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass eine andere Spirituose den Gin in der Intensität ablösen wird.

5. Ein Gin-, Rum- oder Whisky-Tasting haben viele von uns schon mal gemacht. Aber ihr versprecht ja etwas mehr als einfach nur die Verkostung einer Reihe von Spirituosen. Was ist bei euch anders?

Vor allem die Atmosphäre. Wir stehen nicht auf das verschulte und stringente Verkosten von Spirituosen. Bei uns stehen die Geschichten und Anekdoten zu den Spirits im Vordergrund. Schon gleich zu Beginn unserer Tastings gibt es einen Cocktail zum Kennenlernen. Auch hier erzählen wir die Geschichte dazu. Ich bin mir auch fast sicher, dass wir so ziemlich die einzigen sind, die bei ihren Tastings gleichzeitig einen kleinen Cocktail-Workshop veranstalten. Wir mixen zum Ausklang immer einige Drinks und weihen unsere interessierten Gäste in die Kunst des Mixens ein. So entsteht im Laufe des Abends ein lässiges Ambiente, bei dem sich schließlich jeder mit seinem Tischnachbarn über seine Eindrücke austauscht und wir als Gastgeber mit unseren Gästen eine gute Zeit haben. Oft gehen die Tastings weit über den geplanten Zeitraum hinaus, weil sich einfach alle wohlfühlen.

Ich danke Alexander für die Beantwortung meiner Fragen und die Tickets für das Gewinnspiel. Danke, Alex :-)

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