Der beste Maraschino-Likör: Luxardo, Bols & Co. im Vergleich (Update)

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Der beste Maraschino-LikörMaraschino-Likör ist nicht gleich Maraschino-Likör. Die Abfüllungen der verschiedenen Hersteller unterscheiden sich deutlich in Geruch und Geschmack. Ich habe vier bekannte Marken getestet und miteinander verglichen. Welcher ist der beste Maraschino-Likör?

Update (vom 30.09.2018): Ganz neu im Handel erhältlich ist der Schwarzwald Maraschino von Schladerer, den ich in diesen Vergleichstest aufgenommen habe. Ich habe für dieses Update noch mal alle vier Liköre miteinander verglichen.

Was ist Maraschino-Likör?

Last Word, Aviation, Brandy Crusta – all diese populären Cocktails haben eine Zutat gemeinsam: Maraschino-Likör. Dabei handelt es sich um einen Likör, der aus der herben und sehr saftigen Maraska-Kirsche hergestellt wird. Diese wächst vor allem an der kroatischen Adria-Küste. Als (historisches) Zentrum der Maraschino-Produktion gilt die dalmatinische Hafenstadt Zadar, in der bereits seit Mitte des 18. Jahrhunderts dieser Likör hergestellt wird. Damals war es der Italiener Girolamo Luxardo, der in Zadar (italienisch: Zara) 1821 mit der Produktion im großen Stil durchstartete und acht Jahre später sogar der einzige Produzent am Ort war. Luxardo ist noch heute der Weltmarktführer und wohl bekannteste Maraschino-Hersteller.

Inzwischen gibt es aber viele weitere Produzenten, die eigene Versionen dieses Likörs anbieten. Vier Abfüllungen, die man hierzulande oft in den Schnaps-Regalen der Händler oder Bars sieht und/oder die leicht erhältlich sind, habe ich selbst probiert und miteinander verglichen – pur und in dem Cocktail Last Word. Eines vorweg: Maraschino-Likör unterscheidet sich deutlich von Hersteller zu Hersteller. Das sollte man wissen, wenn in einem Cocktail-Rezept nach diesem Likör verlangt, aber nicht explizit eine bestimmte Marke genannt wird.

Kurz zur Info: Der Last Word besteht zu je 2 cl aus Gin, Chartreuse Verte, Maraschino-Likör und Limettensaft. Das alles wird auf Eis geschüttelt und dann im Cocktailglas ohne Eis serviert.

Luxardo Maraschino (mit 32% Alkohol)

Luxardo Maraschino LikörSeit dem Ende des Zweiten Weltkriegs stellt Luxardo den Likör nicht mehr in Zadar, sondern in Torreglia in Italien her. Dafür werden vergorene Maraska-Kirschen destilliert und anschließend zwei Jahre in Fässern aus Eschenholz gelagert.

Geruch: Die Nase ist sehr würzig, fast schon etwas erdig und überhaupt nicht süß. Der vergleichsweise hohe Alkoholgehalt von 32 Prozent macht sich leicht bemerkbar. Zudem sind Anklänge von Mandeln, Malz, Pfeffer, Muskat und Tabak zu riechen.

Geschmack: Im Mund ist der Luxardo deutlich süßer und samtiger, nicht ganz so kantig und rau wie in der Nase. Der Geschmack erinnert mich an Kirschen, Mango und Honig. Dennoch gibt es auch würzige Aromen wie Haferbrei und Knäckebrot. Die Kombination aus süß und herb finde ich sehr gelungen.

Abgang: Der Luxardo Maraschino bleibt deutlich länger auf der Zunge als die anderen Liköre im Test, aber auch nicht allzu dauerhaft – mittellang würde ich sagen.

Im Last Word: Im Cocktail kommt die Würzigkeit des Luxardo ganz klar durch, ein ohnehin kräutriger Cocktail wie der Last Word mit dem Chartreuse Verte als Hauptzutat wird so noch etwas herber. Mir persönlich gefällt das.

Preis: ca. 17 Euro (für 0,7 Liter)
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Giffard Maraschino (mit 25% Alkohol)

Giffard MaraschinoGroß geworden ist das französische Familienunternehmen Giffard mit dem Pfefferminzlikör Menthe-Pastille, den es auch heute noch gibt. 1885 hat ihn der Apotheker Emile Giffard erfunden. Wegen des durchschlagenden Erfolgs baute er seine Apotheke in eine Brennerei um und er verschrieb sich ganz der Produktion von Likören und Sirups – einer davon ist der Maraschino, der durch Mazeration von Kirschen, also durch Einlegen in Alkohol hergestellt wird.

Geruch: Der Giffard Maraschino ist sehr zurückhaltend, Alkohol ist überhaupt nicht wahrnehmbar. Dafür entfaltet sich eher ein süßes Aroma von Kirsche, Lavendel, Rose, Mandarine, Birne und tatsächlich auch deutlich Kölnisch Wasser.

Geschmack: Der Unterschied zum Geruch ist gering. Die Anklänge von Kölnisch Wasser machen sich auch im Mund breit. Dazu gesellt sich wieder Kirsche und allgemein eine florale Note. Dennoch zeigt er sich deutlich dezenter als der Luxardo.

Abgang: So diskret der Likör sich in Nase und Mund gibt, so schnell ist er auch wieder weg. Der Abgang ist recht kurz.

Im Last Word: Wie bei der Purverkostung hält der Giffard Maraschino sich auch hier vornehm zurück. Er ist anwesend, überlässt aber den anderen Zutaten die Bühne. Man könnte sagen: Er unterstreicht das Gesamtkonzept des Drinks mit einer leichten Süße und bringt mit dem Hauch von Kölnisch Wasser lediglich eine kleine Spur Neues mit.

Preis: ca. 11 Euro (für 0,7 Liter)

Bols Maraschino (mit 24% Alkohol)

Bols MaraschinoBereits 1575 soll die Familie Bols in Amsterdam mit der Produktion von Schnaps begonnen haben. Seitdem sind neben der holländischen Nationalspirituose Genever etliche Liköre hinzugekommen. Hierzulande ist die Marke sehr populär und allgegenwärtig in Supermarktregalen und Heimbars.

Geruch: Der Bols Maraschino riecht extrem süß. Ein starkes Aroma von Rosen, Bonbons und Flüssigseife steigt in die Nase.

Geschmack: Auch im Mund ist der Likör klebrig-süß – fast schon etwas künstlich. Er erinnert im Geschmack an bunten Kaugummi aus dem 1-Euro-Laden mit einem Touch Nagellackentferner.

Abgang: Der süße Antritt ist gewaltig, aber das Aroma ist auch schnell wieder verschwunden. Der Abgang ist also eher kurzlebig.

Im Last Word: Das schrille Kaugummiaroma ist deutlich zu schmecken und überfährt fast jedes andere Aroma. Da kommt selbst der sonst so starke Chartreuse Verte ins Schleudern.

Preis: ca. 9 Euro (für 0,7 Liter)
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Schladerer Schwarzwald Maraschino (mit 32% Alkohol)

Schladerer Maraschino LikörSchladerer ist wohl eine der bekanntesten Brennereien Deutschlands. Das Kirschwasser und der Himbeergeist der Schwarzwälder stehen als Miniatur fast an jeder Supermarktkasse. Schon in der sechsten Generation stellt die Familie Schladerer in Staufen im Breisgau Obstbrände und -liköre her. Neu im Sortiment ist der Schwarzwald Maraschino: eine Kombination aus Maraskageist und Schwarzwälder Sauerkirschbrand. Hier kommen also wie Kirschen in die Flasche.

Geruch: Der Schwarzwald Maraschino verströmt einen satten und süßen Duft von vollreifen Kirschen, aber auch etwas Orange, Mango und Honigmelone. Vom Alkohol ist überhaupt nichts zu riechen.

Geschmack: Im Mund ist er etwas würziger und weniger süß, aber die Kirsche steht immer noch ganz klar im Vordergrund. Ich würde sagen: Der Schladerer schmeckt viel kirschiger als die Konkurrenz. Aber im Geschmack ist auch wieder tropisches Obst dabei, das das Ganze fruchtig-süß und sehr aromatisch macht. Schwarzwald Maraschino lässt sich wunderbar pur trinken, der Alkohol kitzelt aber doch ganz leicht auf der Zunge.

Abgang: Ein Hauch von Kirsche bleibt etwas länger auf am Gaumen zurück, aber auch nicht ewig. Mittellang nenne ich das.

Im Last Word: Das Kirscharoma des Schladerer Maraschino stellt ein passendes Gegenstück zur Würzigkeit des Chartreuse dar. Das gibt dem Cocktail eine echt tolle Balance auch Fruchtigkeit und Herbe – eine erstklassige Mischung.

Preis: ca. 16 Euro (für 0,5 Liter)

Fazit: Welcher Maraschino-Likör schmeckt mir am besten?

Den Luxardo Maraschino empfehle ich euch, wenn ihr das würzige Aroma des Likörs durchschmecken möchtet, um dem Drink damit eine besondere Note zu verleihen. Möchtet ihr hingegen eine ordentliche Portion Kirsche schmecken, ist der Schladerer Maraschino der richtige – ohne dabei zu süß zu sein. Giffard würde ich nehmen, wenn ich eher die anderen Zutaten im Cocktail in Szene setzen möchte. Dieser dezente Maraschino hält sich sehr zurück – auch wenn immer ein Anflug von Kölnisch Wasser dabei ist. Das finde ich durchaus interessant, aber man muss es mögen. Der Bols ist für meinen Geschmack zu übersüßt und im Aroma recht künstlich. Ich würde den drei anderen Maraschino-Likören immer den Vorzug geben.

Wollt ihr den Likör hauptsächlich pur trinken, sind vor allem der Schladerer und auch der Luxardo sicher am interessantesten, weil beide ein komplexes Aroma bieten: der eine etwas süßer, der andere etwas würziger. Der Luxardo ist besser verfügbar, weil man ihn in praktisch jeder halbwegs gut bestückten Spirituosenabteilung findet. Er steht nicht umsonst fast schon als Synonym für Maraschino-Likör und wird in vielen Cocktail-Rezepten namentlich als Zutat erwähnt. Aber mein persönlicher Favorit – wenn auch nur mit einem hauchdünnen Vorsprung – ist der Likör aus dem Schwarzwald.

Welcher Maraschino-Likör ist euer Favorit?

Die Flasche Schladerer Maraschino wurde mir vom Hersteller kostenfrei zur Verfügung gestellt. Dieser hat jedoch keinen Einfluss auf meine Meinung und Berichterstattung genommen.

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