Bosford Gin im Test: Gewöhnlichkeit hat einen Namen

Veröffentlicht von

Bosford Gin

Das klingt doch mal international: Auf Madeira hatte ich kürzlich einen London Dry Gin aus Italien im Glas. Bosford war sein Name – einen bleibenden Eindruck hinterlässt er nicht.

Nach ein paar Dutzend Gins, die ich inzwischen schon probiert habe, kann ich eines guten Gewissens verkünden: Mit einem London Dry Gin macht man in der Regel nix falsch – zumindest dann, wenn man ihn nicht pur trinken möchte. Denn um sich „London Dry“ nennen zu dürfen, muss ein Gin gewissen Mindeststandards entsprechen. Und die genügen meist, um ihn mit Tonic Water und auch in vielen Cocktails, in denen er nicht die Hauptrolle spielt, problemlos trinken zu können.

[sc name=“AdSense im Artikel“ ]

In London hergestellt worden zu sein, zählt übrigens NICHT zu diesen Mindeststandards. Denn sonst hätte der Bosford Gin ein Problem. Er kommt nämlich aus Italien – genauer gesagt aus Turin, dem Hauptsitz von Martini & Rossi. Aber: Die italienische Traditionsmarke gehört zum Spirituosenkonzern Bacardi, der wiederum in Hamilton sitzt, der Hauptstadt der Bermudas, die wiederum zum Vereinigten Königreich gehören. Der Kreis schließt sich also doch irgendwie.

Weil wir im Madeira-Urlaub unsere Gin-Vorrat aufstocken mussten, der sonst allgegenwärtige Gordon’s aber gerade nicht verfügbar war, griffen wir im Supermarkt zum Bosford für schlappe 10 Euro. Was kann man für einen London Dry Gin in dieser Preiskategorie erwarten? Ich habe die Pur-Verkostung gewagt:

Kein Gin für den puren Genuss

In der Nase ist der Wacholder dominant, im Hintergrund liegt der Zitrusduft – typisch für einen London Dry. Dieser Eindruck setzte sich im Mund nahtlos fort. Etwas Koriander, etwas Bergamotte, etwas Kardamom schwirren noch herum – ebenfalls typisch für einen London Dry. Auffällig ist die starke alkoholische Note, obwohl der Bosford nur 37,5 Prozent besitzt. Das ist der Mindestalkoholgehalt für einen London Dry Gin. Der Abgang ist im Allgemeinen kurz; was länger bleibt ist eine deutliche Bitterkeit.

» Gin-Bestseller: Jetzt bei Amazon kaufen

Aufgefüllt mit Tonic ist von den Unzulänglichkeiten nicht mehr viel zu spüren. Hier sorgt vor allem das dominante Wachholder-Aroma dafür, dass der Gin doch noch eine gute Figur macht. Das ist es ja auch, was Gin Tonic-Trinker an ihrem Longdrink lieben.

So ergeht es mir persönlich aber mit vielen London Dry Gins in dieser Preisklasse: Pur sind sie keinen zweiten Schluck wert, im Gin Tonic – wo es ohnehin mehr auf das Tonic Water als auf den Gin ankommt (es sei denn, man nimmt aromatisch ausgefallene Gin-Sorten) – lässt er sich aber wunderbar schlürfen. Der Bosford Gin passt genau in dieses Schema.

Unterm Strich: Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt sicherlich, man darf aber nicht zu viel erwarten.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.