Bartrends 2017: So wird das Schnaps-Jahr wirklich

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Bartrends 2017

Ich werfe einen Blick in die Glaskugel und sage die Trends in der Bar-, Cocktail- und Spirituosen-Welt voraus, die es 2017 aus der Nische in den Mainstream schaffen und dort einen echten Hype auslösen, dem sich keiner verschließen kann. Garantiert!

Apropos garantiert: Liege ich mit meinen Vorhersagen richtig, ist das garantiert purer Zufall – und ziemlich unheimlich obendrein auch noch. Und auch wenn ich an meinen Fähigkeiten als Nostradamus schweren Zweifel habe, macht es einfach Spaß, mit Blick auf die jüngere Vergangenheit zu versuchen, die Branchentrends des Jahres 2017 vorauszusagen (Ende März ist ja immerhin noch genügend vom Jahr übrig).

Bartrend-Blogparade

Angestoßen hat das Ganze allerdings Christian Granert, der auf cocktailsworld.net zur Blogparade „Bartrends 2017“ aufgerufen hat. Einige Schnaps-Blogger haben sich schon beteiligt und sind mit ihren hellseherischen Begabungen bereits an die Öffentlichkeit gegangen. Christian sammelt die jeweiligen Artikel auf seiner Seite. Hier kommt also meine Weissagung zum Thema – und das noch gerade rechtzeitig vor dem Einsendeschluss heute um Mitternacht ;-)

Was könnte also in diesem Jahr hinter den Theken der Cocktailbars, in den Gläsern der Spirituosenliebhaber und in den Brennblasen der Schnapshersteller passieren. Wer sich selbst intensiv mit dem Thema beschäftigt, erkennt schnell irgendwelche Trends, die gar keine sind – das schließt mich mit ein.

Filterblase gefüllt mit Agavenschnaps

Nur weil man selbst gerade gerne Mezcal trinkt und es immer mehr Mezcal-Marken auch hierzulande gibt, bedeutet das nicht, dass in den Studentenvierteln und Eckkneipen dieses Landes der Mezcal-Ausschank in diesem Jahr durch die Decke geht. Ähnliches gilt für Rhum Agricole, Genever und die Renaissance des Korns, des Obstbrandes und des irischen Whiskeys (letztgenannter zieht bei Absatz und Produktion seit einigen Monaten tatsächlich deutlich an).

Ein gewisser Mikrotrend ist vorhanden und Berichte dazu ziehen sich durch die Fach-Blogs und –Magazine. Aber die verzweifelte Suche nach einem Nachfolger des Gin-Hypes halte ich derzeit für aussichtlos. Immer noch kommen fast wöchentlich neue Gin-Sorten auf den Markt. Immer noch trinken die Leute hektoliterweise Gin Tonic. Immer noch sind Gin-Tastings in diversen Bars restlos ausverkauft. Ich sehe das in diesem Ausmaß nicht für andere Spirituosen, wenn ich mit offenen Augen und Ohren am Samstagabend durch Stadt laufe oder wenn ich sehe, was Freunde und Bekannte so trinken.

Der Gin Craze geht also meiner Meinung nach weiter und lässt alles andere immer noch hinter sich. Müsste ich mich für eine Trend-Spirituose 2017 abseits des Gins entscheiden, würde ich auf Rum tippen. Aber ich bin da mehr als vorsichtig. Vielleicht wird es ja am Ende was ganz anderes – wie der chinesische Baijiu.

Premium-Sprit für alle

Mach ich aber einen Schritt zurück und schaue nicht so sehr auf einzelne Spirituosen-Gattungen, sehe ich einen Trend hin zu hochwertigeren Schnäpsen. Immer öfter darf es daheim und außer Haus mal etwas mehr sein als ein Jack Daniel’s Old No. 7 auf Eis, eine Bacardi Cola oder ein Sierra Tequila mit Salz und Zitrone.

Wie ich darauf komme? Einfach mal einen Blick auf die Schnapsregale der Supermärkte und in die Karten von normalen Restaurants werfen. Die Auswahl ist insgesamt gewachsen und mit ihnen auch die Qualität – nicht nur im Fachhandel und in der gehobenen Gastronomie.

Hat man sich vor einigen Jahren noch gefreut, neben der obligatorischen Flasche Johnny Walker Red auch mal einen Glenfiddich 12 zu finden, ist die Reihe der guten Whiskys bei Rewe, Edeka & Co. inzwischen echt lang geworden – und sie wird noch länger. Die Chance, dass man in den Schränken von Freunden und Familie auch mal einen guten Tropfen findet, selbst wenn die sich nicht im Detail dafür interessieren, steigt damit deutlich.

Und: In der Getränkekarte einer Kneipe habe ich kürzlich sogar gelesen, dass Gäste ihren Tequila nicht mal auf Wunsch mit Salz und Zitrone bekommen. „So einen Unfug machen wir nicht mit“ stand dort sinngemäß. Für mich ein Zeichen und ein Beispiel von vielen, dass man langsam versteht, das Tequila nicht (nur) zum Besaufen da ist.

Von Hobby-Mixern und Platinum-Bränden

Diese Entwicklung hat meiner Meinung nach zwei Folgen, die ich zwar nicht mit Statistiken belegen kann, aber hier geht’s ja sowieso eher um mein Bauchgefühl.

Zum einen gibt es eine Art Professionalisierung im Heimbereich – eine Entwicklung, die in anderen Branchen schon seit Langem läuft (etwa in der IT-Welt). Grob gesagt: Weil auch den „Amateuren“ immer besseres Equipment, immer mehr Zutaten und letztlich auch immer mehr Know-how zur Verfügung stehen, geht es auch zu Hause immer öfter zu wie in einer Cocktailbar. Private Spirituosen-Tastings und Cocktails aus der eigenen Küche sind definitiv ein Trend, der noch Fahrt aufnehmen wird. Nicht umsonst gibt es Startups wie Tastillery und Home Cocktails, die einen großen Markt für ihre Geschäftsidee sehen. Ob der generelle gesellschaftliche Trend „Homing“ damit etwas zu tun hat? Kann gut sein.

Zum anderen gibt es auf Seiten der Hersteller einen Hang zur „Premiumisierung“. Neben dem Basisprodukt bieten sie noch eine höherwertige Version an. Aktuelle Beispiele sind der Jägermeister Manifest und der Wodka Gorbatschow Platinum. Spötter unken, dass man den immer gleichen Schnaps einfach in neue, schicke Flaschen füllt und zum deutlich höheren Preis verkauft. Diese Leute schrecken sogar eher zurück, wenn sie irgendwo das Wort „Premium“ (oder einen ähnlichen Begriff) lesen. Das kann ich in gewisser Weise verstehen, denn mit dem Verlangen des Verbrauchers nach gutem Schnaps wird auch viel Schindluder betrieben. Von daher ist die Premiumisierung eine ambivalente Sache – aber eben auch ein Trend.

Schnaps aus deutschen Landen

Das Interesse an hochwertigen Spirituosen befeuert noch einen weiteren Trend: Schnaps made in Germany. Dass Whisky nicht nur aus Schottland, Irland oder den USA (ja ich weiß, es gibt noch andere mehr oder weniger traditionelle Whisky-Nationen) kommen muss, ist ja schon ein alter Hut – siehe Slyrs, Ziegler Aureum oder Rothaus Black Forest, um nur ein paar zu nennen. Aber auch Gin (der Monkey 47 lässt grüßen), Wodka und seit etwas kürzerer Zeit auch Rum aus deutscher Produktion werden immer beliebter und vor allem immer besser. Wer zum Beispiel mal einen Revolte Rum getrunken hat, muss nicht mehr zwangsweise zu Rum aus Übersee greifen (auch wenn er dann viel verpasst).

Wie in anderen Bereichen der Lebensmittelbrache geht also auch bei Hochprozentigem der Trend zurück zu Produkten aus der Region – wobei ich den Begriff „Region“ jetzt mal großzügig fasse und damit ganz Deutschland meine. Der Verbraucher assoziiert damit ja auch Qualität, die er bei Produkten aus anderen Regionen der Welt nicht mit Sicherheit bekommt (s. dazu das Zucker-Gepansche in der Rum-Industrie).

Fazit

Hochwertigkeit, Professionalisierung im Heimbereich und Premiumisierung sind also die drei Trends, die ich für 2017 und darüber hinaus vorhersage. Das mag jetzt nicht die extravagante Vision sein. Aber einen Trend, der von jetzt auf gleich aus dem nichts springt und alles über den Haufen wirft, gibt es nun mal nicht. Der Trend von morgen setzt die Entwicklung von gestern voraus. Beides gehört zusammen, der Übergang ist fließend. Aber falls euch das zu langweilig ist, folgt hier meine echte Trendprognose für 2017: Quittenschnaps aus grönländischer Produktion wird das Riesending in diesem Jahr. Garantiert!

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