Bain‘s Cape Mountain: Wie man einem Whisky unrecht tut

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Bain‘s Cape Mountain Whisky

Es hört sich etwas paradox an, aber es ist wirklich schwierig mehr als zwei oder drei Whiskys auf einer Whisky-Messe wirklich kennen zu lernen.

Wer schon einmal auf so einer Veranstaltung war, weiß sofort, was ich meine: Die ersten zwei Whiskys, die man an solch einem Tag trinkt, treffen noch auf eine unbelastete Nase und unbelegte Zunge. Man riecht und schmeckt noch, was man da vor sich hat. Schon der dritte Whisky hat es schwer, gegen die zuvor verkosteten Konkurrenten anzutreten. Ab Whisky vier ist es fast unmöglich, die wahren Aromen noch festzustellen. Zu groß sind die Einflüsse der Verflossenen der letzten Stunden und Minuten.

Sicher: Man kann zwischen den einzelnen Whiskys ausreichend Zeit lassen, viel Wasser trinken, vielleicht etwas Brot essen, um die Geruchs- und Geschmacksnerven wieder auf null zu stellen – oder besser gesagt: nahe null. Aber in der Praxis sieht das meist eben anders aus. Man hat ja auch nicht unbegrenzt viel Zeit, all die Köstlichkeiten zu probieren, die einen auf solch einer Messe anlachen. „Ach guck mal, den wollte ich auch schon immer mal probieren.“ Schwups, ist der nächste Dram im Glas, obwohl man gerade erst den vorherigen runtergeschluckt hat. Vielleicht vorher nochmal das Glas mit Wasser ausschwenken (eigentlich müsste man sich für jede Abfüllung ein ganz neues Glas nehmen). Das war’s aber schon. Nicht ideal, aber die Realität.

Und von den sonstigen Einflüssen auf die Sensorik will ich erst gar nicht sprechen: Umgebung, Location, viele Leute, viel Gequatsche, vielleicht noch eine Zigarran-Lounge in der Nähe und so weiter …

Bain‘s Cape Mountain: Er hatte einfach keine Chance

So kam auch der Bain‘s Cape Mountain Whisky* unter die Räder. Auf der InterWhisky 2018 in Frankfurt wurde die Abfüllung aus Südafrika gratis verteilt, man bekam am Eingang einen entsprechenden Gutschein – wenn ich mich recht erinnere. Aber bevor ich am besagten Messestand angelangt war, hatte ich bestimmt schon fünf Whiskys verkostet. Aber der Bain‘s war mir noch unbekannt und dazu kostenlos. Warum das Angebot also nicht annehmen? Und was soll ich sagen? Der Single Grain vom Kap war mir kaum einen zweiten Schluck wert. „Langweilig“, „nichtssagend“, „kraftlos“ waren meine ersten und letzten Gedanken dazu an diesem Tag.

Der Bain’s ist auch tatsächlich kein Whisky, der sich mit Kraft und Intensität gegen andere Abfüllungen behaupten kann. Er hatte an diesem Tag einfach keine Chance. Zum Glück bekam ich etwas später ein 5-cl-Fläschchen in die Hand und konnte den Whisky nochmals ganz in Ruhe und vor allem solo probieren. Er hatte meine volle Aufmerksamkeit und die – kann ich jetzt behaupten – hatte er sich verdient.

Bain‘s Cape Mountain: Single Grain Whisky aus Afrika

Der Bain‘s Cape Mountain Whisky aus der James Sedgwick Distillery in Wellington ist eine Erfindung von Andy Watts und wie gesagt ein Single Grain Whisky. Er wird zu 100 Prozent aus gelbem Mais aus Südafrika gebrannt und reift insgesamt fünf Jahre im Fass. Das Besondere: Nach drei Jahren in Ex-Bourbon-Fässern, also Eichenfässern, in denen vorher bereits einmal Bourbon reifte, wird er nochmal für zwei Jahre in neuen Ex-Bourbon-Fässern gelagert – wenn man bei bereits gebrauchten Fässern von „neu“ sprechen kann.

Die James Sedgwick Distillery produziert auch Single Malt Whisky, den es hierzulande allerdings nicht zu kaufen gibt. Anders ist das beim Bain‘s Cape Mountain: Die 0,7-Liter-Flasche kostet rund 25 Euro. Benannt ist er übrigens nach Andrew Geddes Bain, einem britischen Geologen, der vor allem in Südafrika tätig und dort für den Bau einer wichtigen Passstraße verantwortlich war.

Bain‘s Cape Mountain: Wie schmeckt der Whisky?

Nase: Es riecht nach Vanille, frisch gebackenen Keksen, Bienenwachs, Mango, Apfel und Birne. Insgesamt eine sehr liebliche Nase mit Frucht und Gebäck.

Mund: Auch im Geschmack ist der Bain’s recht süß. Sahnebonbons, Puddingteilchen, Honig und sehr reife Birnen teilen sich das Aroma. Dazu kommt frisches Brot, das dem ganzen etwas Würzigkeit verleiht.

Abgang: Der Nachklang ist er eher kurz.

Fazit: Guter zweiter Versuch für Bain’s

Der Bain‘s Cape Mountain Whisky ist ein milder und gefälliger Vertreter seiner Art. Die süßlichen Aromen machen ihn zu einem Whisky, der sich leicht trinken lässt. Easy-Drinking-, Sipping- oder Sommer-Whisky sind die Vokabeln, die man im Zusammenhang mit solch einer Abfüllung oft hört.

Er ist ein leichter Whisky, das stimmt. Aber sicher kein langweiliger und nichtssagender. Ganz kraftlos ist er auch nicht, aber ein paar mehr als die 40 Prozent, die er hat, hätten ihm sicher gutgetan. Trotzdem: Ein mehr als solider Whisky für laue Abende. Eine zweite Chance hatte er verdient, er hat sie besser genutzt als erwartet.

Und: Das Problem, mit der Whisky-Messe und der überbeanspruchten Sensorik, weiß ich leider auch nicht zu lösen. Klar, weniger ist mehr an solch einem Tag. Aber wie das so ist mit guten Vorsätzen: Sie sind schneller vergessen als man „bitte ein Dram von XY“ sagen kann.

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