Alkoholfreier Negroni: Ich habe den Versuch gewagt

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Alkoholfreier Negroni

Ein Negroni ohne Alkohol? Soll ich es wagen, einen meiner absoluten Lieblings-Cocktails womöglich zu verunstalten? Ach komm, ich trau mich!

Gin, Roten Wermut und Campari zu drei gleichen Teilen auf Eis rühren und eine Orangenzeste dazugeben – der berühmte Negroni ist nicht nur extrem simpel, sondern auch extrem lecker. Wenn ich mal nicht weiß, welcher Cocktail es heute sein soll, dann kommt ein Negroni ins Glas. Damit macht man nichts falsch.

Alkoholfreier Gin liegt im Trend

Doch was ist, wenn ich mal Lust auf einen Negroni habe, Alkohol aber gerade tabu ist, weil ich zum Beispiel noch fahren muss? Bekommt man den Cocktail auch in einer Variante ohne Alkohol hin? Seit einige Hersteller wie Seedlip oder Siegfried mit alkoholfreiem Gin einen kleinen Trend losgetreten habe, hege ich die leise Hoffnung, dass es klappen könnte. Alle Details zu den Sorten, die auch für dieses Negroni-Experiment zum Einsatz kommen, lest ihr in meinem ausführlichen Erfahrungsbericht über alkoholfreien Gin.

Allerdings muss ich auch die anderen beiden Zutaten durch Null-Prozent-Alternativen ersetzen. Anders als zum Beispiel beim Gin & Tonic, der ja ohnehin zu einem Großteil aus einer alkoholfreien Zutat besteht, muss ich beim Negroni alle Bestandteile austauschen – mal abgesehen von der Orangenschale.

Weitere Zutaten ohne Alkohol

Alkoholfreier WermutAlso brauche ich auch alkoholfreien Wermut und einen alkoholfreien Campari-Ersatz. Beides gibt der Handel inzwischen her, wenn auch in einer überschaubaren Auswahl. Der einzige Rote Wermut ohne Alkohol, den ich gefunden habe, nennt sich Aperitivo Versin, kommt aus Spanien und ist vollgestopft mit künstlichen Aroma- und Farbstoffen.

Das Etikett wimmelt nur so von E211 und Konsorten. Er riecht und schmeckt auch etwas künstlich, erinnert aber schon an einen süßen Wermut: ein bisschen Rotwein, ein bisschen Weihnachten, ein bisschen Bitterkeit im Abgang – aber auch recht süß.

Alkoholfreier CampariFür den Campari kommen gleich zwei Ersatzzutaten in Frage: Zum einen Monin Bitter, ein Konzentrat vom bekannten Siruphersteller, und zum anderen Sanbitter Rosso von Sanpellegrino, für mich zumindest pur auf Eis ein wirklich sehr guter Campari-Ersatz.

Der Haken daran: Das Bitterkonzentrat von Monin schmeckt pur wirklich sehr bitter, 1:1 mit Wasser verdünnt ist es aber zu wässrig. In Sanbitter dagegen ist Kohlensäure enthalten. Pur ist das sehr erfrischend, aber passt das auch in einen Negroni? Probieren geht über studieren …

Ich teste also reihum alle Varianten:

Als Gin-Ersatz:
Siegfried Wonderleaf (0,5 Liter = ca. 20 Euro)*
Seedlip Spice 94 (0,7 Liter = ca. 30 Euro)*
Herbie Virgin (0,7 Liter = ca. 22 Euro)
GinSin Premium (0,7 Liter = ca. 8 Euro)

Als Campari-Ersatz:
Monin Bitter (0,7 Liter = ca. 7,50 Euro)*
Sanpellegrino Sanbitter (6 x 0,1 Liter = ca. 3,50 Euro)*

Als Wermut-Ersatz:
Aperitivo Versin (1 Liter = ca. 7 Euro)

Testergebnisse eher ernüchternd

Nachdem ich die Runde gemacht habe, bin ich doch relativ enttäuscht. Aber ich fang mal von hinten an: Die Kombination mit dem GinSin Premium geht überhaupt nicht. Das wundert mich nicht, weil dieses Kaugummigesöff schon pur eine echte Zumutung ist. Die drei anderen alkoholfreien Gin-Sorten gehen soweit in Ordnung. Der Herbie Virgin verleiht dem Ganzen eine ordentliche Portion Thymian und Rosmarin, die beiden anderen – Seedlip und Siegfried – spielen geschmackstechnisch in der Weihnachtsecke.

Weil aber schon der Versin mit einer deutlichen Note von Lebkuchen und Zimtsternen – immer von der etwas künstlichen Sorte – daher kommt, ist der fertige Negroni doch sehr weihnachtlich. Zu weihnachtlich. Das reißen auch die beiden Campari-Ersatzstoffe nicht mehr raus. So gesehen gefällt mir also der Herbie Virgin noch am besten.

Alkohol lässt sich nicht 1:1 ersetzen

Ein großes Problem ist für mich das Mundgefühl: Ohne Alkohol fehlt die Textur. Das klingt vielleicht kleinlich, fällt aber sofort auf. Zwar könnte man den leicht dickflüssigen Monin Bitter unverdünnt reinmixen, aber das ist mir einfach zu bitter, in Kombination mit dem Versin umso mehr.

Die Variante mit Sanbitter liefert danke der Kohlensäure zwar etwas Textur, aber das Prickeln ist was anderes als die Cremigkeit des Alkohols. Aber immerhin! Deswegen ist diese Kombination auch mein Favorit: Herbie Gin + Sanbitter + Versin. Eine Orangenzeste, vorher über dem Glas ausgedrückt, macht es noch etwas besser.

Alkoholfreier Negroni? Fehlanzeige!

Einen alkoholfreien Negroni, der dem Original nahe kommt, kriegt man mit den Zutaten, die ich im Handel gefunden habe, nicht hin. Aroma und Mundgefühl sind zu weit weg: zu wässrig, zu süß, zu künstlich. Der Mix mit Herbie Virgin und Sanbitter war noch am besten. Aber ehrlich gesagt, möchte ich das niemandem vorsetzen.

Mein Experiment mit einem alkoholfreien Martini hat übrigens besser funktioniert, wie ihr auf gin-liebhaber.de lesen könnt.

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Eine Flasche Siegfried Wonderleaf wurde mir kostenlos zur Verfügung gestellt. Der Anbieter/Hersteller hat allerdings keinen Einfluss auf den Inhalt meiner Berichterstattung genommen.

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